Vincenzo Maurice

Kaputte Stories

Foto: Presse (Vincenzo Maurice)

Der Hype des sogenannten Outsider House hat seinen Zenit längst überschritten, das Leben geht weiter und die nächste Generation steht in den Startlöchern. Labels wie das Hamburger Kollektiv Lehult greifen die Lo-Fi-Ästhetik und den punkigen DIY-Gedanken der ersten Welle auf und stellen ihn aber in ein wesentlich wärmeres Licht als sich das vom Gros der frühen L.I.E.S.-Releases sagen ließe. Auch dem Berliner Vincenzo Maurice geht es um Wärme. Kurz vor der Veröffentlichung seiner Debüt-EP Odd Perception inklusive eines Remixes des italienischen Duos Die Roh haben wir mit dem Produzenten über sein Label Crude Wax, Vinyl-Only-Labels und die zufällige Doppel-Release-Party mit der Lehult-Crew am 31. März in Berlin gesprochen.

 


 

Wie kam es zur Gründung von Crude Wax und wer ist neben dir noch in das Label involviert?
Die Idee und die anschließende Gründung von Crude Wax kam durch eine stets wachsende Monotonie und die dadurch persönlich größer werdende Unzufriedenheit der immer gleichen Club-Tools die ja nach wie vor ihren verdienten Platz in den Clubs finden. Crude Wax entstand durch der zu der Zeit noch langsam herantastenden Idee vom Lo-Fi im House & Techno. Ich war und bin nach wie vor von der Idee begeistert, den perfekt gemixten Stücken den Rücken zu kehren, und mit Saturation, Distortion, Tapes & AMPS eine zwar für viele Menschen kaputt klingende aber dennoch dynamische und vor allem eine warme Story zu komponieren, die trotzdem auch auf den Floors funktioniert. Story ist dabei ein wichtiges Wort. Auf Crude Wax sind es Stücke die mit Konzept, Hintergrund und im besten Fall mit der ein oder anderen Emotion produziert wurden. In das eigentliche Projekt bin tatsächlich nur ich involviert, allerdings hab ich meine feste Grafikerin/Illustratorin, Marie Mestwerdt, die vor allem meine grafischen Vorstellungen perfekt umsetzt. Mit ihr hat sich das aber auch in anderen Bereichen gut eingespielt, so dass sie nicht nur für die Grafiken verantwortlich ist, sondern auch bei organisatorischen Dingen anwesend ist.

Polemisch gesagt gibt es bereits mehr als genug Vinyl-Only-Labels. Warum noch ein weiteres an den Start bringen – und was sind überhaupt eure Absichten?
Zu viele Vinyl-Only-Labels gibt es meiner Meinung nach nicht. Es gibt allerdings zu viele Labels die 10 oder mehr Platten im Jahr veröffentlichen, und das ist nicht so mein Ding. Bestimmte Absichten verfolge ich mit Crude Wax auch nicht. Mir ist es wichtig mich langsam und bewusst an einen Release heranzutasten, und dem ganzen seine natürlich Zeit zum Reifen zu geben. Für das zusammenstellen der Odd Perception EP hab ich ca. 6 Monate gebraucht. Ich wollte einfach, dass alles passt und als Ganzes stimmig ist. Was mir vor allem bei der Arbeit von Odd Perception klar wurde, und seit dem der wichtigste Aspekt bei Crude Wax ist: Es sollen Platten werden, an die man sich erinnert. Ich finde es immer schade, wenn eine Platte ein bis zwei Monate gespielt wird, um dann letztendlich als Staubfänger im Regal zu enden. Für mich geht es primär um die Liebe zur Musik und um die Medien – Vinyl, Tapes & Dats.

Die zweite Katalognummer stammt von dir selbst und ist zugleich auch dein erstes Solo-Release als Vincenzo Maurice. Auf Odd Perception legst du sehr viel Wert auf eine erdige und roughe Produktion. Warum reizt dich gerade dieser Sound so sehr?
Je nachdem was bei mir privat so los ist, oder ansteht, klingen meine Tracks mal hart und extrem Acid-lastig, aber es gibt auch Momente in denen ich auch sehr housige Stücke produzieren. Dabei sample ich gerne Jazz-, Soul- und Funk-Platten, und nicht selten kommen dabei irgendwelche Edits von Klassikern dabei raus, die einfach ne ballernde Kick und Hi-Hats haben. Allerdings würde ich schon sagen, dass bei meinen rougheren Stücken mehr Tiefe und eine persönlichere Grundidee stecken. Außerdem arrangiere ich sehr gerne die Drums in ungewöhnlichen Patterns, und das funktioniert bei härteren und vor allem Acid-lastigen Stücke sehr gut. Bei Odd Perception hab ich das allerdings ein wenig runtergefahren und hab mich mehr auf die Basics konzentriert.

Am 31. März feiert ihr in der Berliner Griessmühle eine inoffizielle Release-Party für die EP. Ihr habt Route 8 eingeladen und schmeißt die Party gemeinsam mit dem Hamburger Label Lehult. Wie seid ihr mit denen verbandelt und nach welchen Kriterien gestaltet ihr euer Booking?
Neben Route 8 hab ich auch John Swing eingeladen. Beide zusammen ergeben eine super Kombination für eine Nacht, da sie sich mit ihrem Sound nicht gegenseitig aushebeln, sondern sie verbindet eine grundsätzliche Ähnlichkeit, die sich aber allerdings auch nicht mehr Unterscheiden könnte. Ich freue mich sehr auf die Zwei. Die Leute hinter Lehult sind gute bekannte von mir, und wir hatten schon länger geplant zusammen in Berlin eine gemeinsame Label Night zu schmeißen. Aus einer Idee wurde dann letztendlich ein Plan, den wir im Dezember 2015 zusammen mit der Griessmühle das erste mal umsetzen konnten. Die Party war einfach super. Wir hatten Spaß, und die Gäste vor allem auch. Den Verantwortlichen der Griessmühle
scheint es auch sehr gefallen zu haben, weshalb sie uns auch direkt gefragt haben, ob wir das nicht öfter machen wollen.
Das mit der kommenden Party und das Release ist ein netter Zufall, sowohl für Crude Wax als auch für Lehult. Denn ein Tag nach der Party, am 1. April, ist das offizielle Release der neuen Crude Wax und der neuen Lehult. Man hat also schon bei der Party, einen Tag vor offiziellem Release die Chance sich direkt bei uns eine Kopie abzuholen.

 


Stream: Vincenzo MauriceOdd Perception

Vincenzo Maurice - Odd PerceptionVincenzo MauriceOdd Perception (Crude Wax)

1. Daybreak
2. Prototype
3. Placid
4. Daybreak (Die Roh Remix)

Format: digital
VÖ: 01. April 2016