Superbooth 16

Werkzeuge für kreative Menschen

Foto: Presse (Funkhaus Nalepastraße)

Andreas Schneiders Laden – der tatsächlich so heißt: Schneiders Laden – mit Blick auf das Berliner Kottbusser Tor ist eine Weltberühmtheit, von der nur wenige wissen. Für die internationale Synthesizer-Community ist das Geschäft eine kleine Pilgerstätte. Jetzt gründet der umtriebige Geschäftsmann mit Herz für die Randbereiche der Musikproduktion eine eigene Elektronik-Messe namens Superbooth, die vom 31. März bis 02. April im Funkhaus Nalepastraße gastiert. Neben Ständen von großen wie kleinen Herstellern sowie sogar Richie Hawtin und einem breiten Rahmenprogramm werden dort unter anderem Pole oder TB Arthur auftreten. Wir haben mit Schneider über sein demokratisches Messe-Konzept gesprochen.

 


 

Wie kam es zu der Idee, Superbooth16 als eigenständige Musikmesse nach Berlin zu bringen?
Seit 15 Jahren besuche ich nun schon die Musikmesse in Frankfurt und habe dort einen Messestand, auf dem ich die kleinen Hersteller aus meinem Vertrieb repräsentiere und dazu hole. Optimal war das nie: Du kriegst nur eine kleine Ecke und alles weitere kostet extra. Noch ein Tisch? Kostet. Mehr Sichtbarkeit? Kostet. Rahmenprogramm? Kostet. Außerdem bist du da in einer riesigen Messehalle – ungünstiger geht es eigentlich nicht für die Darstellung akustischer Ereignisse. Da stellt jeder ein paar Boxen auf den Tisch, dreht den Bass rein und im Endeffekt gewinnt keiner. Ein klassischer Messeveranstalter ist nicht spezialisiert und behandelt eine Automesse genauso wie eine Musikmesse. Außerdem ist Frankfurt eben globale Marktwirtschaft, Bänker-Jet-Set und TTIP, du wohnst in irgendwelchen teuren Hotels und isst schlechtes Sushi. Berlin ist billiger und schöner. Eigentlich war Superbooth 16 auch viel kleiner geplant, ich wollte die Nische zeigen, die ich auch mit Schneiders Laden und Schneiders Büro bediene. Aber als das Konzept stand, kamen dann auch die großen Hersteller wie Roland, Ableton und Yamaha und wollten mitmachen.

Was willst du mit Superbooth16 anders machen?
Eines vorweg: Auch ich nehme Standgebühren und Eintritt zur Finanzierung der Veranstaltung. Ansonsten sind wir natürlich viel spezieller als die Frankfurter Musikmesse. Aber in diese Dimension will ich auch gar nicht. Bei Superbooth 16 bekommt jeder Aussteller eine ähnliche Sichtbarkeit. Ich will, dass der große Hersteller genauso nahbar wird wie der Eigenbau-Frickler aus der Nachbarschaft. Ich will den Kontakt zwischen Künstlern und Herstellern fördern. Außerdem sollen neue Geräte nicht nur vorgestellt sondern auch vorgeführt werden sollen. Dafür bekommt jeder der will einen zwanzigminütigen Slot – erst muss er zehn Minuten spielen, dann darf zehn Minuten über das Gerät geredet werden. Das Konzept habe ich grob von Oskar Salas „Gesprächskonzerten“ übernommen. Es geht ja um Werkzeuge für kreative Menschen! Wichtig ist mir zudem eine Schärfung des Bewusstseins und die Reflexion von Qualität. Auch das kannst du in Frankfurt nicht machen. Bioäpfel aus der Region will jeder, aber nachhaltige Elektronikgeräte? Die Massen an Elektronikschrott sind viel gefährlicher für die Umwelt als Äpfel aus Argentinien.

Superbooth soll also ein Hybrid aus Messe, Performance und Dialog werden?
Ja, im besten Falle. Ich hoffe, dass das Publikum da mitgeht. Da sollen nicht nur Hersteller kommen und irgendwelche neuen Geräte aufstellen und sagen: Das hier ist neu, das kannst du jetzt kaufen. Es geht schließlich um Hardware die von Künstlern bedient werden soll. Deswegen treten auch viele Künstler während der Veranstaltung auf. Gareth Jones, Tobi Neumann und HerrSchneider werden z.B. auf der Bühne spielen und sprechen. Aber keine Angst, es wird nicht nur Rentnertalk geben! Richie Hawtin stellt sein Mischpult vor, die Gebrüder Teichmann, Pole Max Loderbauer und noch viele andere sind dabei. Wer kein neues Gerät vorstellt, muss eben auf einem seiner Lieblingsgeräte spielen und dann erklären, was sie daran so geil finden.

Superbooth16 findet im Funkhaus Berlin in der Nalepastraße statt. Warum dieser Ort?
Eigentlich bin ich schon seit über drei Jahren dran, an diesem Ort etwas zu machen. Viele meiner Kunden haben dort ihr Studio, z.B. Mouse on Mars. Dieser Ort ist ja Kulturerbe und bietet eine perfekte Akustik in seinen beiden Sälen. Allein das wäre schon ein Grund, zur Superbooth 16 zu kommen! Es wird Führungen durch das Haus geben, außerdem sind alle Miet-Studios geöffnet und Teil der Veranstaltung. Man kann durch den Komplex streifen und sich fast alles anschauen. Und wer jetzt denkt „Ach nö, der Ort ist mir zu weit außerhalb des S-Bahnrings“: Es wird einen kostenloses Shuttleservice ab Jannowitzbrücke geben – mit Schiffen über die Spree!

 
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Superbooth
31. März bis 02. April

Rahmenprogramm: Robert Lowe, Pole, T.Raumschmiere, Kodek, TB Arthur, Goldwiener, Bernhard Rasinger, Richie Hawtin, Daniel Miller, #Instaboner, Nik Nowak, HerrSchneider, Wolfgang Seidel, Yapacc, Hannes Teichmann, Noroeste, Nnoiz Papp, Frank Bretschneider u.v.m.

Tickets: ab 35€

Funkhaus
Nalepastraße 18
12459 Berlin