Rising Sun

The Lamentations Of The Rising Sun (Fauxpas Musik)

 

Heart & Soul – Strings & Nostalgia hieß das erste Rising-Sun-Album. Eine nostalgische Angelegenheit ist auch der neue Longplayer, den Steffen Laschinski unter dem Pseudonym Rising Sun veröffentlicht. Der Berliner, der die Labels Styrax Leaves, Millions of Moments und Kristofferson Kristofferson betreibt, ist nun mal ein bekennender Nostalgiker, wie er in einem Interview mit dem Blog Ashore freimütig zugab. Sein neues Album The Lamentations Of The Rising Sun will erst gar nicht verhehlen, dass es den frühen neunziger Jahren eine musikalische Liebeserklärung macht. Es ist ein Album, das immer wieder an UK-Electronica im Sinne von B12 oder The Black Dog erinnert, zwei Acts mit Wurzeln in der britischen Raveszene. Die tanzte ab 1991 zu den Breakbeats des Hardcore-Sounds. Gesamplet wurden dieselben Funkbreaks wie beim Hip Hop jener Tage, nur das Tempo war schneller. Und so rappeln auch auf The Lamentations Of The Rising Sun immer wieder Amen-Breaks, und zwar in einer Art und Weise, wie man es aus ebenjener Hardcore-Ära kannte – also im Tempo langsamer und in der Machart ungeschliffener als später bei Jungle und Drum’n’Bass. Steffen Laschinski hat noch nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Shut Up And Dance, das Reinforced-Label von 4Hero, oder frühe Moving-Shadow-Platten eine große Rolle in seiner musikalischen Sozialisation gespielt haben. Tracks wie „You Loose“ oder „Brighter Day“ samplen denn auch in Breakbeat-Manier klassische Disco- und House-A-capellas. Doch immer wieder bestimmen schwebende Synthsounds und ambiente Passagen das Bild. Neben den bereits erwähnten UK Electronica-Einflüssen lassen sich auch hier und da Detroit-Referenzen wie John Beltran oder Carl Craig heraushören. So sehr nostalgische Gefühle das musikalische Geschehen auf The Lamentations Of The Rising Sun durchdringen, eine Retroveranstaltung ist dieses tolle Album trotzdem nicht. Hier und da tauchen auch mal UK-Bass-Rhythmusmuster auf. Steffen Laschinski kombiniert all diese musikalischen Verweise auf sehr eigene Weise, jedes einzelne Element fügt sich in ein größeres Bild ein. Was The Lamentations Of The Rising Sun zu einem Ausnahmealbum macht, ist diese ungeheure emotionale Intensität, die über sämtliche zwölf Tracks in keinem Moment nachlässt. Nein, ein Lamento ist das Album nicht, auch wenn jedem der zwölf Tracks ein Hauch von Wehmut innewohnt. Doch so ein bisschen Rave-Euphorie lauert schon wieder hinter der nächsten Ecke.

 


Stream: Rising SunThe Lamentations Of The Rising Sun