EP-PREMIERE

Closed Sessions (Rivulet 005)

 

Fünf Menschen, zwei Städte, ziemlich viele Partys und eine Handvoll Releases: Rivulet ist schon mal viel. 2015 allerdings war wenig von dem Berliner/Leipziger Label zu hören. Höchste Zeit, um gute Vorsätze zu fassen und das Jahr 2016 ambitioniert zu beginnen. Closed Sessions versammelt fünf Tracks von altbekannten und neuen Acts: Perseus Traxx, Stanley Schmidt, Profile, Mod.Civil und Pablo Mateo sind dabei. Wir haben die Mini-Compilation als exklusive Premiere für euch und zudem noch Mitbetreiber Stanley Schmidt zum Label, Leipzig und der näheren Zukunft von Rivulet befragt.

 


 

Wer seid ihr eigentlich und wer ist bei Rivulet für was zuständig?
Wir sind im Prinzip fünf Freunde, die vor ein paar Jahren gleichzeitig Bock hatten, selber Platten herzustellen. Durch unsere unterschiedlichen Zugänge zum Endprodukt Schallplatte hat sich eigentlich ganz automatisch eine Arbeitsteilung ergeben, die bis jetzt ganz gut funktioniert. Stanley (Schmidt) ist der aktivste Produzent bei uns im Label, weswegen er das macht, was man als A&R bezeichnen könnte. Tim Jolas (DJ Départ), der den Großteil der Distributionsarbeit macht, kümmert sich als Grafikdesigner zusammen mit der Künstlerin Maria Wallenstein um die komplette optische Erscheinung des Labels. DJ Lars Goldammer aka „Die Maschine“ ist bei uns für kompetente Beratung, extralange Technosets und Catering zuständig, während unser liebster Barman Max aus dem RUDI in Leipzig das schlechte Gewissen des Labels in Sachen Finanzen, Deadlines und Produktivität ist.

Ihr verteilt euch auf Berlin und Leipzig. Ist die geografische Distanz eher ein Vorteil oder ein Nachteil?
Manchmal nervt es natürlich, dass es inzwischen schwer ist, sich regelmäßig zu fünft zu treffen und wichtige Entscheidungen meistens via Skype besprochen werden müssen. Auf der anderen Seite ist es für uns ein riesiger Vorteil, in beiden Städten verankert zu sein, weil wir so die Vorteile der doch sehr unterschiedlichen Szenen genießen können. Da ist zum einen die enorme Vielfalt und Professionalität in Berlin, die eine große Inspiration ist, vor allem weil man nie das Gefühl bekommt, man kenne schon Alles, was in der der Stadt so passiert. Ständig kannst du neue Leute kennenlernen, triffst inspirierende Menschen und bist umgeben von einem extrem hohen künstlerischen Output. Zum anderen gibt es in Leipzig eine ganz gewisse DIY-Attitüde in der Szene, die man so in Berlin nur noch selten erlebt, und die für uns auch, grade am Anfang, einiges erleichtert hat und die im Wesentlichen immer noch unsere Arbeitsweise bestimmt. Hier ist es nach wie vor kein Problem, mit dem USB-Stick zu RAND Muzik zu radeln, um die neue Scheibe in Auftrag zu geben. Gleichzeitig blüht die Szene in Leipzig natürlich grade total auf, was immer ein großer Vorteil für alle Beteiligten ist.

Seit der Gründung von Rivulet im Jahr 2012 hat sich in Leipzigs Clubszene einiges getan. Was aber ist dran an den „Hypezig“-Rufen und inwiefern haben sich diese Veränderungen bei eurer Arbeit als DJs, Produzenten und nicht zuletzt Clubbetreiber bemerkbar gemacht?
Von dem „Hype“ um Leipzig kriegt man in der Stadt selbst eigentlich wenig mit. Was man mitbekommt, ist natürlich, dass unglaublich viel in der Stadt passiert, was auch daran liegt, dass viele neue Leute hier her ziehen. Das Schöne an der Veränderung ist, dass sich das Angebot unglaublich verbreitert. Grade mit der Eröffnung des IfZ hat sich sehr viel getan, jetzt kannst du an einem Samstagabend halt auch Leute wie Carsten Nicolai oder DJ Paypal in einem richtigen Club erleben. Gleichzeitig schießen aber auch kleine, illegale Locations aus dem Boden, die total geile Konzepte ausprobieren, vor ein paar Wochen stand ich in einem komplett dunklen Keller eines Ausbauhauses in Reudnitz, in dem eine 360°-Klanginstallation live mit elektroakkustischer Experimentalmusik bespielt wurde, obwohl ich eine Homeparty erwartet hatte. Solche Momente sind schon sehr Leipzig-spezifisch, und gleichzeit überhaupt nicht das, was man im Kopf hat, wenn der Begriff „Hypezig“ fällt.

Ihr bezeichnet die Compilation Closed Sessions als kleines Comeback von Rivulet. Tatsächlich habt ihr 2015 kein Release veröffentlicht – Zwangspause oder Urlaub?
Ein bisschen von Beidem. Zum einen haben wir alle beruflich und privat sehr viele andere Baustellen, die in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit gefordert haben, zum anderen wollten wir bestimmte Sachen bei uns im Label umstrukturieren und neu überdenken. Das haben wir auch getan und freuen uns sehr darüber, dass aus diesem Prozess diese, wie wir finden, sehr schöne Compilation geworden ist.

Gleichzeitig scheinen die Closed Sessions auch eine Zukunftsperspektive aufzuwerfen. Wie kam die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Künstlern zustande, die bisher noch nicht zur Rivulet-Crew gehörten?
Zu den meisten Künstlern hatten wir schon länger einen ganz guten Draht, und als die Idee einer Compilation aufkam, hatten wir quasi schon mit allen irgendwie darüber gesprochen, dass sie mal was bei uns veröffentlichen müssen.

Perseus Traxx haben wir kennen gelernt, weil er für uns im Sommer im ://about blank gespielt hat. Wir hatten schon vorher sehr viel mit ihm geschrieben und hatten eine super Zeit mit ihm, so dass er uns hinterher angeboten hat, etwas von der Musik zu veröffentlichen, die er sowieso für unsere Party geschrieben hatte. Von Pablo Mateo und der ganzen LACK-Crew sind wir alle schon länger sehr große Fans und als wir uns dann in Berlin kennen gelernt haben, haben wir uns so gut verstanden, dass das gleich mehrere Kooperationen nach sich gezogen hat. Pablo hat die Platte ja auch gemastert, was für uns ein absoluter Gewinn war, und im Januar machen wir in Zusammenarbeit mit LACK mehrere Parties, zum Beispiel am 23.01. im XX-Supercronik in Leipzig. Mod.Civil kennen wir als Leipziger schon länger, trotzdem haben sie uns sehr klassisch ein Demo geschickt, was uns sofort total umgehauen hat. Der in Japan lebende Estländer Profile ist eine Entdeckung von Stanley, der durch das französische Label Serié Limitée auf ihn aufmerksam geworden ist. Das ist also eher eine love affaire auf internationalem Terrain.

In Sachen Artwork seid ihr euch allerdings treu geblieben: Der Künstler Julian Dannenbaum hat das Cover designet, der Sleeve wird von Hand besiebdruckt. Wie wichtig ist euch als Label die Schnittstelle von Kunst? Oder anders und etwas provokativer gefragt: Reicht der generische schwarze Sleeve und das gestempelte Label nicht völlig für den Clubgebrauch aus – warum so viel Mühe machen?
Wie ich schon oben gesagt habe, haben wir alle im Label einen unterschiedlichen Zugang zu Schallplatten. Nur ein Teil von uns sind tatsächlich DJs, wir arbeiten also auch immer mit Hinblick auf die ästhetische und haptische Dimension, die das Medium Vinyl mitbringt. Es ist eigentlich banal, aber tatsächlich ist der erste Zugang zu einer Schallplatte, zumindest wenn du sie in einem Plattenladen kaufst, ja auch erstmal ein optischer. Wenn es dann einen Zusammenhang mit der Musik gibt, und den versuchen wir immer herzustellen, kann aus dem DJ-Tool ein Liebhaberstück werden, und das wollen wir eigentlich erreichen.

Wie geht es 2016 mit Rivulet weiter?
Eine längere Pause wie 2015 wird es jedenfalls nicht geben. Die nächsten Releases sind schon geplant, eine EP von dem großartigen, leider aber noch sehr unbekannten Produzenten Peonies, ein Album von unserem Liebling Talski, und eine 10″ die eher in die Experimentalrichtung geht. Nebenbei geht natürlich auch unsere Reihe From The Bottom im ://about blank weiter, die nächste übrigens am 29.01.

 

 

DiverseClosed Sessions (Rivulet)

1. Perseus Traxx – Sigil Magick
2. Stanley Schmidt – How To Lose Orientation
3. Profile – This Is The Game We Play
4. Mod.Civil – So Fi Trance
5. Pablo Mateo – Closed Session

Format: 12″
VÖ: 15. Januar 2016