Arca

Mutant (Mute)

 

Selbst wenn man Arca nicht kennt, ist es mehr oder weniger unwahrscheinlich, dass man ihm nicht in den letzten Jahren in der ein oder anderen Form begegnet sein sollte. So hat der in London lebende Venezolaner Alejandro Ghersi doch nicht zuletzt bei FKA Twigs, Björks Vulnicura und selbst Kanye West koproduziert. Wenn man die Kantigkeit von Vulnicura nimmt, und den Einfluss Björks rausrechnet, kann man in etwa erahnen, was den Kern von Arca, und speziell seinem neuen Album ausmacht. Auf Mutant geht er noch einen Abstraktionsschritt weiter und reiht zwanzig post-industrielle Stücke zwischen Drones, basslastiger Electronica, klassischen Referenzen und gelegentlichen Beat-Experimenten aneinander, die in ihrer unterkühlt industriell anmutenden Klarheit mal an Robin Rimbauds Scanner-Projekt, mal an Seefeel und dann wieder Ben Frosts Destruktionismus erinnern und dabei – die Referenzen lassen es erahnen – auch irgendwie wie aus der Zeit gerissen klingen. Am Beeindruckendsten funktioniert das bei den Stücken, denen Ghersi mehr Raum zum Atmen lässt als es das Format (20 Tracks pro Stunde) eigentlich vorsieht, wie beim beeindruckend barocken Kathedralen-Industrial des Titel-Tracks. Ansonsten hat man zuweilen aber durchaus das Gefühl, dass Ghersi hier der Gegenpol, das Yin zum Yang, zu fehlen scheint, und sich der rote Faden durch die zwanzig Stücke auf dem Album wesentlich schwieriger erschließt, als er das bei einer monumentalen Live-Inszenierung könnte. Mutant ist Musik, die vor allem auch den richtigen Kontext braucht, um sich in ihrer vollen Größe zu zeigen.


Video: ArcaFront Load