LITTLE BOOTS Working Girl (On Repeat/Dim Mak/Warner)

2009 war Victoria Christina Hesketh alias Little Boots mit ihrem teilweise von Joe Goddard produzierten Debütalbum Hands der heißeste Tipp in der BBC „Sound-of”-Umfrage, noch vor Lady Gaga, La Roux und Florence & The Machine. Mit dem Nachfolger Nocturnes konnte sie 2013 dann jedoch trotz der Produktion von Tim Goldsworthy nicht ganz an diesen Erfolg anknüpfen. Das dürfte auch auf ihren jetzt erschienenen, dritten Longplayer zutreffen: Obwohl sich das Referenzsystem von Italo ein wenig in Richtung narrativer House der 90er wie Everything But The Girl oder Nightcrawlers verschoben hat, kann man nur schwerlich behaupten, dass Little Boots sich mit Working Girl komplett neu erfunden hätte. Hitcharakter besitzen noch am ehesten der zwischen Chill Wave und Euro Dance verortete Titeltrack sowie das discoide „No Pressure“. Sommerlich hell dagegen „Get Things Done“, getragen von einer synthetischen Disco-Funk-Bassline. Herausragend der an die Bangles erinnernde R&B-Track „Taste It“. Spätestens mit dem Electro-Pop von „Real Girl“ nehmen die sich einstellenden Déjà vus jedoch überhand. More of the same: „The Game” klingt, als ob Ace of Base sich von „La Isla Bonita” inspirieren lassen hätten, Dubhouse von der Stange in „Heroine”. Thematisch in der Nähe von Helene Fischer: „Help Too“ und „Paradise”. Am erstaunlichsten bleibt, wie gleichförmig die einzelnen Songs wirken angesichts der Menge beteiligter Producer so unterschiedlicher Ausrichtung und Reputation wie Ariel Rechtshaid (Haim, Charli XCX), James Shaw (Simian Mobile Disco), Com Truise und Jeppe Laursen (Lady Gagas „Born This Way“). Im Guten wie im Schlechten präsentiert Hesketh mit dem Synthpop der elf Songs von Working Girl“ (zuzüglich Intro und Interlude) urbane, durchglobalisierte Digitalformatmusik. Aufgrund der verwendeten Zuckerersatzstoffe auch für Diabetiker geeignet – Süßspeisen generell sollte man allerdings schon mögen, um mit Working Girl glücklich zu werden.


Stream: Little BootsBetter In The Morning