Im Vorfeld der Aufnahmen zu ihrem sechsten Album hat sich die Indie-Dance-Pop-Band Hot Chip einige Fragen gestellt: So zum Beispiel, ob man nach fünfzehn Jahren immer noch relevant ist, ob man nicht bereits zu alt ist, um noch immer ein Publikum begeistern zu können. Und so versucht Why Make Sense? erst gar nicht, den aktuellen Zeitgeist der Clubmusik einzufangen. Klang das 2012 veröffentlichte In Our Heads zuweilen noch so, als hätte sich das Londoner Quintett insgeheim gewünscht, dass Trevor Horn auf dem Produzentensessel gesessen wäre, so wirkt auf Why Make Sense? alles entschlackter und organischer – nicht zuletzt wegen der Tour-Schlagzeugerin Sarah Jones, die hier eine zentrale Rolle spielt. Produziert haben Hot Chip wieder selbst, nur haben sie die Songs nun in weiten Teilen live eingespielt. Natürlich klingen Hot Chip auch im Jahr 2015 wie Hot Chip, alleine die gesangliche Dualität von Alexis Taylor und Joe Goddard ist und bleibt einzigartig. Dieses Mal ließ sich die Band von Funk- und R’n’B-Platten der Siebziger und Achtziger inspirieren – und nicht zuletzt vom Blue Eyed Soul, für den Bands wie Scritti Politti standen. Der Waliser Green Garthside von Scritti Politti hat denn auch als Arrangeur von „Love Is the Future“ einen kleinen Teil zu diesem Album beigetragen, so wie auch Posdnous von De La Soul, der auf demselben Stück gefeaturet ist. Auch wenn die Texte von Alexis Taylor zuweilen eine nicht allzu optimistische Sicht auf die Welt offenbaren, schreibt er doch noch immer Liebeslieder, die ihresgleichen suchen. Es bleibt dabei: Hot Chip ist eine der letzten großen Popbands – an der Oberfläche stets catchy und niemals kompliziert, aber doch im Detail so clever wie wenige andere.

 


Video: Hot ChipNeed You Now