Dass Musik eine universale Sprache sei, hält sich hartnäckig als unbedachter Allgemeinplatz. Daran ist genauso viel richtig wie falsch: In der menschlichen Stimme haben Musik und Sprache einen gemeinsamen Ursprung, in dem sie zunächst identisch waren. Diese Einheit ist, folgt man dem Musikwissenschaftler Thrasybulos Georgiades, spätestens in der archaischen Vorzeit der klassischen griechischen Antike zerbrochen. Seitdem drückt sich in Musik demzufolge gerade das aus, was jenseits der Sprache liegt. Als Songwriter bei Depeche Mode schreibt der Keyboarder und Gitarrist Martin Gore für das orphische Organ von Dave Gahan. Mit den sechzehn Instumentaltracks von MG sucht er die andere Seite auf: Im Verzicht auf Vocals entsteht ein Soundtrack des Vorbewussten, eine Welt instinktiver Ahnungen, Suggestionen und Irritationen, aber ohne Gewissheit. Im Stereoraum verteiltes Saitenpicking zu dunklen Synthiestrings im Opener „Pinking“, gedehnte Akkorde einer Mundharmonika und dräuendes Basswabern in „Swanning“. Oder auch zeitvergessene Faszination auf „Exalt“, zarte Badalamenti-Anklänge in „Elk“, Industrial-Electro mit „Brink“. Dann ein überraschend luzider Blick in die Asche: „Europa Hymn“. Lauernd langsam pulsierend: „Creeper“. Kinematografisch choreographiert: „Stealth“. Tastende Zuversicht: „Trysting“. Hymnisch pastoral: „Southerly“. Highlight und Finale: „Featherlight“. Golem-Coda: „Blade“. Ein Score als Psychogramm zwischen viel Ambient, IDM und Minimal-Wave sowie vergleichsweise wenig Synthiepop.

 


Stream: MGEuropa Hymn