„Ob man Musik nun missbraucht, um Menschen so zu synchronisieren, damit sie funktionieren – oder ob man Musik benutzt, um Menschen wachzurütteln. Es ist immer ein politischer Akt“, sagte Alec Empire in einem Interview für die Groove 2011. Seine Band Atari Teenage Riot machte das offensichtlich – mit ihrem Namen, einem Song wie „Hetzjagd auf Nazis“ oder einem legendären Konzert am 1. Mai 1999 in Berlin-Kreuzberg.

Nicht ganz so leicht erkennbar ist Politik oft bei Neuer Musik, die beim Festival Acht Brücken in Köln im Mittelpunkt steht und in diesem Jahr von Ende April bis Anfang Mai unter dem Motto „Musik.Politik“ auf ihre politischen Dimensionen befragt wird. Kann Instrumentalmusik, die weder textlich noch formal politische Positionen vertritt, trotzdem politisch sein? Und wie kann sich das anhören? Als Beispiel steht beim Festival der Komponist Louis Andriessen im Fokus, der die Entstehung von Musik als abhängig von den eigenen Hörerfahrungen und sozialen Umständen, also auch von Politik, sieht. Neben Aufführungen von Stücken von KomponistInnen wie Andriessen oder Heiner Goebbels stehen Diskussionen und Workshops auf dem Programm, genau wie das Projekt, „eine gemeinsame fiktive europäische Stadt“ zu erschaffen. Zu Realpolitik gehört damit auch eine Utopie, die aus Musik, Film und Literatur entstehen soll. Neben neuer klassischer und jazziger Musik werden unter anderem Golden Pudel-Mitbetreiber Schorsch Kamerun und Atari Teenage Riot Konzerte spielen – letztere am 1. Mai, dem Kampftag der ArbeiterInnenbewegung.

 

acht-brueckenGroove präsentiert

Acht Brücken – Musik für Köln

30. April bis 10. Mai 2015

Line-up: Atari Teenage Riot, Susana Baca, Christian von Borries, Ensemble Modern Orchestra, Ensemble Musikfabrik, Schorsch Kamerun, Akua Naru & The Digflo Band, New York Philharmonic, RaumZeitPiraten u.v.a.

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Köln