Seit 2012 firmiert das österreichische Producer-Duo Anna Müller und Paul Wallner unter dem Namen HVOB, einem Akronym für „Her Voice Over Boys”. Einem Vertrag mit Stil Vor Talent folgte ein rascher Aufstieg: Beatport-Charts, Fashion-Video, Poll-Einträge, Festival-Auftritte. Für ihr zweites Album hat sich Oliver Koletzkis Label mit der Wiener Ausgehinstitution Pratersauna zusammengetan. Seinen inhaltlichen Rahmen erhält es von einem audio-visuellen Kunstprojekt, das gemeinsam mit dem Bildenden Künstler Clemens Wolf und dem VJ-Team lichterloh entstanden ist, um das künstlerische Potential zehn konkreter Prozesse der Verfahrenstechnik in Ton, Video und Installation auszuloten. Das zwölfseitige Booklet zeigt passend dazu von Wolf inszenierte Schwarzweißbilder des Reißens, Mischens, Platzens, Schmelzens, Oxidierens, Brechens, Implodierens, Ätzens, Biegens und Brennens. Das liest sich spröder als es klingt: Folgerichtig wird der steiflippig-akademische Stallgeruch solch interdisziplinärer Konzeptalben in den zehn Tracks auf Trialog zerstreut, verwischt, pulverisiert, aufgelöst, dem Rost überlassen, zerbrochen, zusammengefaltet, abgelöst, verdreht und verbrannt. Musikalisch setzen HVOB auf ihren zwischen Deep House und Electronica angesiedelten Signature Sound, hin und wieder von einem Techno-Feel angeweht. Ihre Klangräume sind zwar minimal, aber nicht karg; vielmehr verwirklichen sie eine spätromantische Absicht: Die oft mehr gewisperten als gesungenen Vocals von Anna Müller, die auch Filmmusik schreibt, wirken darin gleichzeitig sexy und melancholisch.

 


Video: HVOBWindow