Attackierende Stakkato-Klänge erzeugen Herzrasen, bevor Schreie wie aus einem Horrorfilm noch mehr Unbehagen erzeugen. Es ist ein beunruhigender Eindruck, den der Track „Guantanamo“ von Jlins Debütalbum Dark Energy hinterlässt. Und dieses Gefühl hält die Produzentin auch mit dem Rest der Tracks mit unbequemen Sounds aufrecht. Im Unterschied zu vielen Footwork-ProduzentInnen nutzt sie – bis auf Stimmen – keine Samples. Die Vocals zerstückelt und ordnet sie den Sequenzen der Beats zu, sodass ein Drive entsteht, der zu Bewegung animiert. Dabei überlädt Jlin ihre Produktionen nicht, sondern strukturiert sie übersichtlich, wie bei dem dreiteiligen „Black Diamond“, dessen Mitte ein großartiger Percussion-Teil bildet. Bewegt wird bei Jlin nicht nur der Körper, der durch Subbässe erschüttert und von fast schmerzvollen Tönen mit Gänsehaut überzogen wird, sondern auch die Gefühlswelt. In einem Interview sagte sie jüngst, sie produziere ihre Musik aus einem Zustand der Traurigkeit heraus – aus der „Mitte des Bösen“. Dark Energy klingt wie Musik für die Tanzfläche einer düsteren, technologisierten Informationsgesellschaft mit Gefangenencamps, Überwachung und einer Schere zwischen Arm und Reich. Das ist kein Filmszenario, sondern die Realität. Jlin nimmt sie wahr, übersetzt sie in Musik. Durch Verarbeitung zu Tanzmusik nimmt sie ihr dadurch zumindest ein wenig den Schrecken. Dunkle Energie ist eben auch Energie, die zu Veränderung führen kann.

 


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