STEINBERG CUBASE 8 PRO Digital Audio Workstation

Text: Numinos
Erstmals erschienen in Groove 153 (März/April 2015).

Im traditionellen Rhythmus bringen Steinberg pünktlich zum Jahresstart eine neue Version ihrer Digital Audio Workstation (DAW) Cubase auf den Markt. Was uns die volle Acht bringt, haben wir getestet.

Cubase ist nicht nur eine der beliebtesten, sondern auch eine der dienstältesten DAWs am Markt. Über die Jahre ist es zu einer der umfangreichsten und leistungsfähigsten Audio-/Midi-Produktionsumgebungen am Markt gewachsen. Das gesamte Arsenal an Funktionen und Features aufzuzählen würde alleine schon mindestens eine doppelseitige Liste erfordern. Was über alle Versions-Nummern hinweg konzeptionell gleich geblieben ist, ist die zentrale Arrangieransicht, die von einem Mix- und diversen Edit-Fenstern flankiert wird. Dem bleibt auch Cubase 8 treu und neue oder erweiterte Funktionen werden regelmäßig um diesen harten Programmkern herum eingefügt.

 

Neues

 

cubase-screenshot

 

Größte Neuerung dürfte wohl das neue VCA-Fader-Konzept sein. Es handelt sich um eine Art virtuelle (automatisierbare) Gruppenfader, die alle an sie angeschlossenen Fader proportional steuern, ohne dass man dafür – wie bei der klassischen Subgruppe – einen weiteren Kanal anlegen muss. Und wo wir schon beim Mischen sind: Auf Wunsch präsentiert Cubase Pro 8 in der Mix-Konsole ein Master-Loudness-Meter, das so ziemlich alle aktuellen Standards visualisieren kann (K-System, AES17, LU, LUFS).

Der nächste erfreuliche Zugewinn füllt eine sehr alte Lücke in Cubase. Vorhang auf also für das Debüt der Render-in-place-Funktion. Und das direkt mit einem ganzen Arsenal von Optionen: Vom trockenen Signal, über das Kanalsignal bis hin zum Ausgang des Master-Out stehen hier alle Möglichkeiten bereit, das Signal an Ort und Stelle in eine Datei zu verwandeln – sehr gut. Ebenfalls im Bereich des Mischens angesiedelt sind die Noten/Frequenz-Anzeige im EQ, der runderneuerte 4-Band Verzerrer Quadrafuzz v2 und der nun ebenfalls für den Multiband-Betrieb ausgelegte Envelope Shaper.

 

Quadrafuzz_v2

 

Neu an Bord: Der VST Bass Amp, der mit sechs Verstärker-, vier Cabinets- und 21 Bodeneffektgeräte-Modellen an den Start geht und das – ähnlich wie schon das VST Amp Rack – mit einer ausgesprochen hübschen, photorealistischen Optik. Für ein aufgeräumtes Erscheinungsbild im Plugin-Fenster sorgt der neue Plugin-Manager, mit dem es nun möglich ist, Audioeffekte und Gerätschaften in Gruppen zu organisieren – vorbei die Zeiten ewig langer Plugin-Listen. Und dann wären da noch die Chord-Pads, die weiter verbessert und um den so genannten Proximity-Chord-Assistant, einen interaktiven Akkordvorschlags-Generator, erweitert wurden. Nicht zu vergessen: Die „jungfräulichen“ Gebiete der Automation, bei Steinberg mit dem prosaischen Namen Virgin Territory versehen. Und was nichts anderes heißt, als das es jetzt auch möglich ist, Bereich von Automationsspuren einfach leer zu lassen (in früheren Versionen musste man, sobald irgendwo eine Automation aktiviert war, über die komplette Spurlänge mit Automation arbeiten).

 

cubase-vst-bass-amp

 

Fazit

 

Cubase war und ist in Version 8 mehr denn je das Arbeitstier unter den DAWs – der mächtige Alleskönner für die tägliche Studioarbeit. Es gibt andere DAWs, die sicherlich besser für das Live-Performen und Experimentieren geeignet sind, spätestens aber wenn es darum geht Großprojekte abzuwickeln, die mit Audiospuren im hohen zweistelligen Bereich auftrumpfen und es gilt sie aufzunehmen, zu mischen und mit Edits zu versehen, führt derzeit kaum ein Weg an der echten Multi-Plattform-DAW (für PC und Mac) Cubase vorbei. Das weiß man offenbar auch bei Steinberg und hat in Version 8 erfolgreich an großen Produktions-Stellschrauben wie etwa den VCA-Fader-Gruppen, dem flexiblen Fenster-Handling und dem Pegel-Metering gedreht, wie auch im Kleinen Detailarbeit geleistet. Etwa mit den hilfreichen Tabs (Media Bay/VST-Instrumente), dem großartigen Plugin-Manager oder auch der längst überfälligen „Render-in-Place“-Funktion. Und weil das Auflisten aller anderen kleinen und großen Verbesserungen (u.a. neue Chord-Tracks, 4-Band-Funktionalität im Compressor/Expander/Verzerrer, Tonale Anzeige von Frequenzen im EQ) den Rahmen sprengen würde, tendiere ich dazu, das neue Cubase 8 Pro unter dem umgangssprachlichen Adjektiv „fett“ zu subsumieren.

Vor dem Update eines Produktivsystems sollte der geneigte Anwender derzeit allerdings noch das Erscheinen der Eins hinter der Acht abwarten, denn die im Test verwendete 8.0.5 wies stellenweise noch Defizite in der Stabilität auf. Aber das Bereithalten einer rückwärtskompatiblen Parallelinstallation ist ohnehin die oberste Pflicht beim Produzieren am und mit dem Rechner.

UVP: 549,- | verschiedene Upgrade-Preise

 


Video: Cubase Pro 8Introduction