Lange war kein Jahr so reich an fantastischen Ambient-Platten wie 2014. Vielleicht liegt es daran, dass das Leben noch ein Stück schneller, unüberschaubarer und anstrengender geworden ist, dass Pop- und elektronische Musik in allen Nischen härter und unerbittlicher wurde. Vielleicht brauchte es dagegen einen Ausgleich, ein sanftes und entschleunigendes Antidot. In einer Szene, die sich über Schlafzimmer auf dem ganzen Globus verteilt, mangelt es zwar keineswegs an neuen Releases, vor lauter Quantität geht dem Genre jedoch häufig seine Qualität verloren. Frei nach Brian Enos Diktum, Ambient habe gleichermaßen leicht zu ignorieren wie interessant zu sein, ist ein Großteil der Releases leider nur in erster Hinsicht dem Genre zuzurechnen. Anders aber in diesem Jahr und gänzlich anders auf der neuen, von John Beltran für Delsin und sein eigenes Label Dado zusammengestellten Compilation John Beltran presents – Music For Machines.

Beltran hatte sich selbst über die Jahre mehr und mehr von seinen Wurzeln im Detroittechno abgewandt und meldete sich 2013 mit einem ebenso diskreten wie ruhigen Album auf Delsin zurück, wo schon zwei Jahre zuvor eine kleine Rückschau seiner Arbeiten als Ambient-Künstler erschienen war. Bei der nun von ihm auf zwei separate LPs beziehungsweise einer CD verteilte Compilation, die neben dem titelgebenden Stück von Beltran selbst überwiegend unbekannte Acts versammelt, handelt es sich um ein Kollektion obskure Edelsteine, die der Gegenwartsarchäologe aus Michigan in diversen Ecken der Welt zusammengesammelt hat. An Strahlkraft steht ihr kaum etwas nach.

Eröffnet wird die 18 Stücke umfassende Sammlung von dem völlig zurecht gleich drei Mal vertretenen Georgier Gacha Bakradze alias Winter Flag, der mit den auf- und abwiegenden Texturen, zurückhaltenden Rhythmen und anmutigen Vocal-Samples von „Winterfall Winds“ bereits die Essenz von Music For Machines ausformuliert. Ob rhythmische Collagen oder spulig-verwässerte New Age-Reminiszenzen: Beltrans Selektion zeigt sich gleichermaßen offen wie geschlossen, umschifft jedes Fettnäpfchen mit Bravur. Was sich so leicht ignorieren ließe, das ist doch zu jeder Zeit viel zu interessant, um es zu missachten. 2014 wäre auch ohne diese herausragende Compilation reich an fantastischen Ambient-Releases gewesen, mit Music For Machines hat der Berg an Neuerscheinungen jedoch seinen Gipfel gefunden. Ein absolut essentielles Release, das seine Sublimität wundervoll subtil zu präsentieren weiß.

 


Stream: John Beltran PresentsMusic For Machines (Previews)