Protokoll: Jan Rödger
Erstmals erschienen in Groove 151 (November/Dezember 2014)

 

Mit The Whitest Boy Alive erlangte Erlend Øye große Bekanntheit. Nach der Auflösung der Band vor wenigen Monaten erschien im Oktober nun sein Solo-Debütalbum Legao, welches er mit isländischen Musikern einspielte. Vom stressigen Tourleben erholt sich der schlaksige Norweger am liebsten auf Sizilien in seinem Garten – und liest dabei unter anderem den Soldier’s Guide to Sicily.

 

Das Beste, was ich in letzter Zeit gemacht habe, war ein Ausflug zum Træna-Festival. Auf die Inseln der Kommune Træna am Nordpolarkreis kommt man nur per Schiff, es ist ein fünfstündiger Trip entlang der schönsten Küsten Norwegens. Das Festival selbst ist sehr familiär, obwohl es von Menschen aus ganz Norwegen organisiert wird. Es gibt keine Genregrenzen und man trifft dort die besten Norweger auf einem Fleck versammelt. Deswegen bin ich jedes Jahr dort.

Einen Tag ohne Internet verbringe ich mit der Pflege meines Gartens und einem Besuch bei meinen Nachbarn. Da gibt es dann auch immer was Gutes zu essen.

Luxus ist für mich, nicht ans Telefon gehen zu müssen. Und den ganzen Tag von Freunden umgeben zu sein und mich mal absolut um nichts Organisatorisches kümmern zu müssen.

Ein Buch, welches mich kürzlich sehr beeindruckt hat, ist Soldier’s Guide To Sicily, das 1943 von der US-Armee herausgegeben wurde. Eine Art Reiseführer und Verhaltenskodex für Soldaten während der Invasion – solche Bücher gibt es heute zum Beispiel über Afghanistan oder Irak. Interessant war, dass die US- Armee allgemein weniger Probleme in Sizilien als die britische Armee hatte, weil viele US-Soldaten dort Verwandte und Bekannte hatten. Dadurch hatten sie auch gute Beziehungen zur Mafia, die ihnen im Kampf gegen die Faschisten half, das finde ich spannend.

Meine liebste TV-Serie ist keine aktuelle, weil ich kaum fernschaue. Die beste TV-Serie aller Zeiten ist allerdings die Muppet Show. Da ist alles drin, was eine gute Fernsehserie braucht: fantastische Charaktere und fantastische Songs.

Eine neue Band, die mich begeistert, ist Hjálmar. Das ist eine Reggae-Band aus Island, die auch Songs in ihrer Muttersprache schreibt. Ich finde überhaupt, dass die isländische Sprache perfekt zum Singen ist, sie klingt wie ein tolles Instrument. Ich höre derzeit wenig Musik mit Texten, die ich auch verstehe, so kann ich mich beim Hören voll und ganz auf die Musik konzentrieren.

Meine aktuelle musikalische Wiederentdeckung sind The Magnetic Fields. Ihr Songwriting ist einfach beeindruckend.

Eine Stadt, von der ich gerne einmal mehr als Flughafen, Hotel und Club sehen würde, ist nach wie vor London. Die Stadt kenne ich ziemlich gut, allerdings verändert sie sich rasend schnell und ist dadurch immer wieder einen längeren Besuch wert.

Ein unbekannter Club, den jeder mal besuchen sollte, ist das Strange Fruit in der koreanischen Hauptstadt Seoul. Dort treffen sich die absoluten Musiknerds und feiern vergessene Klassiker. Außerdem gibt es eine Wand aus CDs und mit 25 Besuchern ist der Club schon arg voll. Als Musikfan sollte man diesen Club nicht verpassen!

Einen total skurrilen Gig hatte ich 2010 beim Coachella-Festival in Kalifornien mit The Whitest Boy Alive. Jay-Z auf der Hauptbühne war so laut, dass unser Soundmischer unsere Show komplett über Kopfhörer abmischen musste.

Mein Rezept gegen Kater: Immer mehr essen als du trinkst!

In meinem Kühlschrank findet man immer Mandelmilch.

Ich bereue, dass ich irgendwann mal Ola Borgström von Service Records vertraut habe.

Meine größte Angst ist, dass sich die norwegische und die italienische Steuerbehörde zu einem zweiköpfigen Monster vereinen. Zur Zeit muss ich für beide Länder eine Steuererklärung machen und das ist ein Albtraum. Wo muss ich wie viel zahlen und warum? Die Norweger kommunizieren nicht mit den Italienern und umgekehrt – und wenn sie es irgendwann doch mal tun, erwarte ich nur das Schlimmste.

Mein größter Traum ist, dass es in Sizilien irgendwann mal so große Wellen gibt, dass man darauf reiten kann.

 

Das Album Legao von Erlend Øye ist bei Bubbles erschienen.