Screenshot: Detroit Free Press

Die Geschichte der Clubinstitution Tresor ist eng mit der Techno-Geburtsstadt Detroit verbunden: Im Keller des ehemaligen Kaufhauses Wertheim in Berlin-Mitte hatten viele DJs aus der Motor City Anfang der neunziger Jahre ihre ersten Auftritte in Europa, ein großer Teil des Katalogs des clubeigenen Labels besteht aus Produktionen von Detroiter Musikern. Mithilfe der Clubkultur will Tresor-Gründer Dimitri Hegemann nun einen Beitrag zur Wiederbelebung der von der Dauerkrise der US-Autoindustrie schwer getroffenen Stadt leisten. Was in Berlin zum Aufschwung nach der Wende beitrug, kann auch Detroit helfen, so ist Hegemann überzeugt.

In der seit 20 Jahren leerstehenden Autoteile-Fabrik Fisher Body Plant 21 soll nach seinen Vorstellungen ein Kulturzentrum inklusive Techno-Club entstehen und als Non-Profit-Objekt eine Leuchtturm-Funktion übernehmen. Die Lokalzeitung Detroit Free Press veröffentlichte nun ein Video, das Hegemann in der vergangenen Woche bei einem Besuch in den verfallenen Fabrikhallen zeigt. In einem Interview, das in der kommenden Druckausgabe der Groove erscheinen wird, sagt der Tresor-Macher: „Ich möchte dort keinesfalls als deutscher Invasor auftreten. Ich will Mut mitbringen und eine Geschichte aus Berlin erzählen. […] Bis heute sind es solche Subkultur-Institutionen, die Menschen zu Tausenden dorthin ziehen. Es ist das Schräge, das einen Stadt-Hype auslöst. Und genau das braucht Detroit, um internationale Besucher anzulocken.“

Seit Monaten versucht der 60-Jährige mit seiner 2013 gegründeten Initiative Detroit-Berlin Connection die Verantwortlichen der Stadt zu überzeugen, ihm das im städtischen Besitz befindliche Gelände für einen symbolischen Preis zu verpachten. Ähnlich wie das Heizkraftwerk Mitte in Berlin, in dem sich die zweite Inkarnation des Tresors befindet, soll das Gebäude dann nach und nach entwickelt werden. Rund um den geplanten Club sollen Räume etwa für Ateliers, Start-up-Unternehmen oder ein Hostel entstehen. „In Detroit gibt es eine neue Generation, die aus der Resignation ausbricht und Chancen sieht“, so Hegemann gegenüber der Groove. „Viele kleine Projekte sprießen aus dem Boden, von mobilen Suppenküchen bis hin zu Fahrrad-Stadtführungen.“

Der Plan des Tresor-Gründers stösst in Detroit jedoch auch auf Skepsis. Die Stadträtin Raquel Castañeda-López bezweifelte gegenüber der Detroit Free Press, dass der Plan der Stück-für-Stück-Sanierung in den USA genehmigungsfähig sei. Probleme könnten der Clubgründung zudem die Gesetze des Staates Michigan bereiten, die den Alkoholausschank nach zwei Uhr nachts untersagen. Unter den Detroiter Techno-Künstlern sind die Meinungen offenbar gespalten. „Ich glaube nicht, dass die Szene groß genug dafür ist, um einen Club in dieser Dimension zu füllen“ zitiert das Online-Magazin Thump den DJ-Veteranen Delano Smith. Cornelius Harris von Underground Resistance sieht das Projekt dagegen grundsätzlich positiv.

Der Umbau der Fisher Body Plant 21 ist nicht das erste visionäre Projekt Hegemanns – und nicht alle waren von Erfolg gekrönt. Vor 20 Jahren wollte er bereits schon einmal einen Club in Detroit eröffnen, was damals an Asbestproblemen scheiterte. Auch seine Pläne für einen „Techno Tower“ am Standort des ersten Tresors und ein Ableger des Clubs in Peking ließen sich nicht verwirklichen. Man darf also gespannt sein, wie es mit der neuen Vision weitergeht.

 


Video: Fisher Body Plant 21Ein Besuch mit Dimitri Hegemann