Eine neue Mix-CD vom freundlichen Norweger Prins Thomas. „More of the same“ ist der erste Gedanke, der einem durch den Kopf schießt. Und sicher: es gibt Synth-Arpeggios satt. Nur ist die Selektion diesmal nicht ganz so freundlich und sonnig und balearisch wie er und seine Label-Kollegen sonst immer daherkommen. Vielmehr schraubt sich Prins Thomas im Verlauf des Mixes immer tiefer in den kosmischen Disco-Sound hinein. Und der bestand ja historisch nicht nur aus Laid Back und Giorgio Moroder, sondern die Veteranen wie Daniele Baldelli und Claudio Simonetti mischten auch kräftig Krautiges und Experimentelles in ihre Sets. In Entsprechung dazu finden sich auf diesem Mix dann auch finstere Gestalten aus dem US- und UK-Underground wieder, zum Beispiel Bee Mask, Surgeon, Silent Servant oder Floating Points.

Ein besserer Titel für diese feine Mix-CD wäre tatsächlich A Beginners Guide to the Wonderful and Frightening World of Synth-Arpeggios gewesen. Prins Thomas bedient hier die ganze Bandbreite kosmischer Synthie- Sounds über House- und Techno-Beats. Denn modulare Synths und die feinen Schichttorten-Dramaturgien, die man mit ihnen erzeugen kann, sind ja in den verschiedensten Ecken schon seit längerem schwer im Kommen. Da ist der kosmische US-Underground, wie er auf einem Label wie Spectrum Spools repräsentiert wird. Dort wird vor allem das krautige Ende des Spektrums bedient, aber auch zunehmend die Power des straighten Beats genutzt. Stellvertretend für diese Nische sind hier Bee Mask im Surgeon-Remix zu hören. Dann haben aber auch die wirklich harten Noise-Heads, Leute wie Rene Hell und Pete Swanson, den Techno in seiner Analog-Synth-Variation für sich entdeckt. Silent Servant sind als Prachtexemplar dieser Entwicklung auf Rainbow Disco Club vertreten. Aber auch der dubbige Techno von Deepchord findet hier Platz, sowie eine der zahlreichen Kraftwerk-Tribute des Wahl-Chilenen Uwe Schmidt (diesmal als Atom TM). Einer der wirklich weichen Tracks kommt erstaunlicherweise von Shed. Aber das Highlight ist der bizarre
Track „Whiskey“ von Anstam, der so klingt, als sei Wendy Carlos unter Einfluss des titelgebenden Getränks ein Sampler in die Hände gefallen. Der Ausklang bietet, als kleinen Stilbruch, feinsten Deep House von NYs Finest. Aber das erstaunlichste ist, wie Prins Thomas das alles ineinander fließen lässt und ein Kontinuum herstellt, wo bisher, trotz aller Gemeinsamkeiten, keins war.