Die von süßlichem Sixties-Pop infizierte Indie-Band Simian häutete sich 2006 zum Electro- und die Crossover Duo Simian Mobile Disco. Wie kaum ein anderer Act spürten Jas Shaw und James Ford ungeahnte Verbindungen von (Indie-)Rock und elektronischer Musik auf. In ihren zahllosen, ambitionierten Mixen stellten sie Vocals und elektronische Hooklines auf eine Ebene, ließen Smith N Hack auf die Walker Brothers treffen oder Liaisons Dangereuses auf Joakim. Mit der Zeit verschwanden die Stimmen und Songs aus ihren Sets und Produktionen zugunsten eines instrumentellen, elektronischen Sounds. Für ihr Dance Label Delicacies kollaborierten sie mit Roman Flügel oder Bicep und im letzten Jahr erregten sie einem roughen, analogen Live-Act aufsehen, dessen wabernder, unberechenbarer Sound klang, als seien Techno und House noch gar nicht erfunden worden. Die Vorgabe für das neue Album war, den Computer komplett aus dem Set-Up zu nehmen und sich an den technischen Voraussetzungen elektronischen Live-Acts der Neunziger (The Orb oder Orbital) zu orientieren. Whorl wurde mehr oder weniger live aufgenommen und ist damit ein radikaler Gegenentwurf zur aktuellen elektronischen (Tanz-)Musik, bei der die Tracks aus Elementen diverser Jams zusammengesetzt und nachträglich oft über Wochen und Monate arrangiert, gemischt und mit Effekten versehen werden. Whorl zehrt von der Magie des Hier und Jetzt. Es geht nicht um Wucht und Derbheit, nicht Beats und Melodien führen durch das Album, sondern die unergründlichen, geheimnisvollen Klänge aus den Modular-Systemen. Aber Shaw und Ford schrauben nicht um des Schraubens willen. Es geht darum die Ohren zu spitzen und spontan zu reagieren, um dem Formlosen eine Form abzugewinnen, um das Ozeanische grooven zu lassen.