Foto (Reykjavík): Andreas Tille / Wikimedia Commons
Erstmals erschienen in Groove 149 (Juli/August 2014)

„Ich bin in Hafnarfjörður aufgewachsen, einem Vorort von Reykjavík aus dem besonders viele Bands kommen – ein Ort mit musikalischer Tradition also. Später habe ich dann in verschiedenen Teilen der Stadt gewohnt, derzeit wohne ich im Botschafterviertel. Ziemlich ruhig dort, gehobener Mittelstand eben, mit einem wunderschönen Park direkt vor der Haustür. Ich habe vor zwanzig Jahren in Paris Fotografie studiert und irgendwann ging mir diese Metropole mächtig auf die Nerven. Ich brauche Abwechslung zum urbanen Raum, ich bin gerne in der Natur, mache viel Wintersport und segle gerne. Deshalb bin ich auch zurück nach Reykjavík als ich schon Erfolg mit GusGus hatte. Viel auf Reisen bin ich dank der Gigs ja trotzdem und von Januar bis April verbringe ich meine Zeit meist in Südfrankreich. Mit Laptop, ein klein wenig Hardware und Internet kann ich ja auch unterwegs Musik machen. Ich bin eigentlich kein materialistischer Typ, nur mein Studio zu Hause ist vollgestopft mit Synthesizern und Drum Machines. Ansonsten kann ich sehr schnell packen und umziehen. Wenn mich jemand zum ersten Mal besuchen kommt, dann fahre ich auf jeden Fall mit ihm raus aus der Stadt. Island besitzt eine fantastische Landschaft, da sollte man viel mehr Zeit verbringen als in der Stadt oder in Clubs. Zum Beispiel beim Hiking, sehr populäre und schöne Orte sind Landmannalaugar, Þórsmörk und Snæfellsjökull. Ich bin nicht wirklich ein Clubber. Klar, auch ich hatte meine Sturm-und-Drang-Zeit, aber eigentlich bin ich lieber in der Natur. Statt wegzugehen segele ich lieber zu den in der Nähe von Reykjavík gelegenen Fjorden. Zum Beispiel zu dem idyllischen Hvalfjord, was auf deutsch „Fjord der Wale“ heißt.

 

„Island besitzt eine fantastische Landschaft, da sollte man viel mehr Zeit verbringen als in der Stadt oder in Clubs.“

 

Wenn mich Freunde besuchen kommen, dann quartiere ich sie oft in meinem Segelboot ein, das liegt im Stadthafen. Von dort aus kann man prima durch Museen bummeln und in Cafés abhängen. Mein Lieblingsort ist eine Mischung aus Bar und Restaurant namens Snaps. Im Restaurant Sægreifinn gibt es traditionelle Fischgerichte und auch Wal als Spezialität. Allerdings kann man Fisch eigentlich überall essen, wir Isländer sind dem Meer sehr verbunden. Für den Abend empfehle ich definitiv das Kaffibarinn, die Bar gibt es schon seit über zwanzig Jahren und ist so etwas wie eine Institution für lokale DJs. Dort hat bestimmt jeder Isländer, der auflegt, schon einmal gespielt. Es ist ein winziger Schuppen und manchmal ist die Stimmung total abgedreht. Sehr empfehlenswert! Vor kurzem hat auch ein sehr schöner Club namens Paloma aufgemacht, ebenfalls mit fantastischem Soundsystem und schöner Inneneinrichtung. Ich bin mittlerweile 43 und etwas raus aus der Wochenendfeierei, aber dort sind zur Zeit definitiv die coolen Kids anzutreffen. Wer Platten shoppen will, sollte zu Lucky Records gehen. Dort findet man jetzt bestimmt noch die ein oder andere Platte aus meiner alten Sammlung – ich habe vor einiger Zeit aussortiert und ihnen zirka 6.000 Stück verkauft. Ich glaube nicht, dass es auf ganz Island mehr als zwei bis drei Plattenläden gibt. Ich selbst kaufe nur noch selten welche, meist Alben oder Sondereditionen. Es gibt auch einen überdachten Flohmarkt namens Kolaportið, dort findet man wirklich alles mögliche. Für Musikliebhaber ist noch interessant, dass jetzt im Sommer auf Island sehr viele Festivals stattfinden. Wir haben etwas mehr als 300.000 Einwohner auf der Insel und von April bis Oktober ist mindestens jeden Monat ein Festival. Vom isländischen Sónar für zweitausend Besucher bis hin zum größten namens Airwaves für fünf- bis sechstausend Besucher. Erstaunlich!“

 

Das Album Mexico von GusGus ist bei Kompakt erschienen.

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