PARTY AUF DEM TODESSTREIFEN Soundtrack der Wende

Felix Denk und Sven von Thülen veröffentlichten 2012 die literarische Dokumentation Der Klang der Familie. In dieser gelang es ihnen, die Geburtsstunde der Berliner Techno-Szene als Oral History greifbar zu machen. Zum 25. Jahrestag des deutschen Mauerfalls wurde nun in Kollaboration mit Arte aus dem Buch der Dokumentar-Film The Soundtrack Of Change, der unter dem von Arte umbenannten, krachigen Titel Party auf dem Todesstreifen Ende Juli erstmals im Fernsehen lief. Der Anstoß zu einer filmischen Aufarbeitung des Buches kam von Regisseur Rolf Lambert, der bereits zahlreiche Dokumentationen für den TV-Sender produzierte. Neben Mitschnitten über das Geschehen in den Clubs und auf den Straßen Berlins, zeigt die Dokumentation vordergründig Interviews mit wichtigen Protagonisten der damaligen Szene, zum Beispiel DJ Tanith, Tresor-Gründer Dimitri Hegemann oder Love-Parade-Miterfinderin Danielle de Piciotto, die auch bereits im Buch ihre jeweilige Sicht der Dinge preisgaben. So widmet sich die Verfilmung keiner breitgefächerten Beleuchtung der Rave-Szene der Nach-Wende-Zeit, was unumstritten eine große Stärke des Buches war. Vielmehr verengt sich der Fokus auf das Ineinandergreifen von Wende-Erlebnis, Berlin als „Temporäre Autonome Zone“ und der Genese von Techno als erste gesamtdeutsche Jugendkultur.

Ist die Dokumentation von der filmischen Machart her sehr sehenswert und geht ihrer Ausgangsfrage zur Wendesituation eindrücklich nach, lässt einen die beschränkte Länge von knapp fünfzig Minuten im Vergleich zur Lektüre dennoch eher unbefriedigt zurück. So vermisst man viele herausstechende Akteure und phänomenologische Entwicklungen innerhalb der Szene, die man beim Lesen als essentiell für die emotionale Tragkraft der Ereignisse empfand. Die Dokumentation beschreibt somit auch weniger etwas, was nicht bereits, neben der zahllosen Literatur, mit diversen Film-Dokumentationen bereits abgearbeitet wurde. Vielmehr stellt sie das subversive Potential von Popkultur gezielter heraus, wenn Techno-Musik Anfang der Neunziger als metaphysische Macht agierte, die die gesellschaftlich zementierte Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland in den Köpfen der Menschen auflösen konnte.

 


Video: Party auf dem TodesstreifenSoundtrack der Wende