Text: Numinos
Erstmals erschienen in Groove 148 (Mai/Juni 2014)

Mit der Aira-Serie bestehend aus dem monofonen Synthesizer „System-1“, dem Bassline-Synth „TB-3“, dem Voice-Transformer „VT-3“ und dem hier getesteten Drumcomputer „TR-8“, haben die Roland-Entwickler endlich den Befreiungsschlag aus ihrer Jahrzehnte währenden General-MIDI-Deckung gewagt – und gewonnen. Denn das Ensemble der vier Geräte, wurde vom Markt begeistert aufgenommen. Dass diese Begeisterung nicht gänzlich unbegründet ist, konnten wir exemplarisch an der Schlagwerk-Maschine TR-8 nachweisen.

 

Konzept

 

aira-tr-8

 

Allen Geräten der neuen Aira-Serie gemein ist die Tatsache, dass sie – ganz Future-Retro-mäßig – konzeptionell und klanglich frühere Glanzleistungen von Roland referenzieren, dazu aber auf eine brandaktuelle Hardware setzen, deren Fähigkeiten weit über die der Originale hinausgeht. Für die klangliche Emulation der Vorbilder sorgt die sogenannte „Analogue Circuit Behaviour (ACB)-Klangerzeugung“, die im Fall der hier getesteten TR-8 ab Werk sowohl die Disziplin 808 wie 909 beherrscht – weitere Klangmodelle sollen folgen. Als Beispiel für die Vielzahl von Möglichkeiten wo die Aira-Geräte ihre Vorbilder übertrumpfen, wäre beispielsweise der „Scatter“-Regler zu nennen, der sich bei TR-8 und System One findet und mit dem sich das Ausgangssignal zeitgemäß und temposynchron „verglitchen“ lässt. Aber auch die Bedienkonzepte in sich entsprechen dem, was man im Jahr 2014 von Hardware erwarten kann. So programmiert man etwa die Bassline TB-3 über eine hintergrundbeleuchtete Touch-Tastatur, können Effekte und Dynamik bei der TR-8 pro Step sequenziert oder Synthesizermodelle im Fall des System One aus dem Rechner in den Synthesizer verfrachtet werden. Ein Verfahren, das von Roland auf den sinnfälligen Namen „Plug-Out-Synthesizer“ getauft wurde. Schauen und hören wir uns aber jetzt mal den TR-8 im Detail an:

 

Praxis

 

Schon das durchgängige Design der Aira-Serie mit einer Kombination aus nachtschwarzem Gehäuse, giftgrüner Beschriftung und großzügiger Hintergrundbeleuchtung wirkt ebenso schick wie gelungen. Der TR-8 „Rhythm Performer“ macht da keine Ausnahme, denn besonders die kontextabhängig mehrfarbig illuminierten Step-Tasten laden förmlich zum Programmieren ein. Insgesamt hat man hier – dem klassischen 909-Prinzip folgend – elf Sounds in 16 Kits vor sich (Kick, Snare, 3 x Tom, Rimshot, Clap, Closed/Open Hi-Hat, Crash und Ride), die alle über die Potis Tune und Decay modifizierbar sind. Kick und Snare besitzen zusätzlich noch ein Attack/Snappy- und Compression-Regler. In der obersten Zeile warten eine Akzent-, Reverb-, Delay- und External-In-Einheit auf ihren Einsatz. Das Besondere hierbei: Alle Einheiten können im Step-Sequenzer automatisiert werden – sogar der externe Eingang der mit seiner Sidechain-Schaltung für den typischen Kompressor-„Pump“-Effekt herangezogen werden kann.

Überhaupt wurde das klassische Konzept der Lauflichtprogrammierung hier nicht nur perfekt umgesetzt, sondern so umfassend geheckspoilert, dass man zu jedem Zeitpunkt ebenso intuitiv wie machtvoll in das Klanggeschehen eingreifen kann. Und das, was dann am Ende die 96kHz-Wandler der TR-8 verlässt, ist tatsächlich erstklassig: Punch, Transienten und die musikalische Qualität der Vorbilder 808 und 909 werden hier nicht nur erreicht, sondern stellenweise übertroffen. Besonders das Tuning der Einzelsounds – mit einer der wichtigsten Faktoren für den Erfolg der Originale – ist an der TR-8 präzise und ohne hörbare Sprünge einstellbar und die Stimmstabilität dank digitaler Steuerung hervorragend. Dem so erzeugten Schlagwerk kann man mit der einstellbaren Shuffle-Funktion und vier verschiedenen Rolls schlussendlich noch rhythmische Variationen verpassen, bevor es dann endgültig den Scatter-Effekt (mit wählbarer Intensität) passiert und zu einem der beiden Stereo-Ausgänge gelangt. Hier allerdings habe ich eine kleine Kritik anzubringen, denn ich hätte mir gewünscht, dass dem Scatter-Effekt-Auswahl-Regler eine temporäre Push-Funktion spendiert worden wäre, um die Klangverbieger zu aktivieren.

 

Praxis

 

Glückwunsch an die Ingenieure bei Roland, denn sie haben bei diesem mutigen „Neustart“ in Form der Aira-Serie so ziemlich alles richtig gemacht, was man richtig machen kann (und sollte). Exemplarisch zeigt sich das bei der TR-8, wo aus der Verbindung einer erstklassigen Klangerzeugung mit einem intuitiven Bedienkonzept und einer durchdachten Effektsektion ein zeitgemäßes Rhythmusgerät entstanden ist, das fraglos das Zeug zu einem modernen Klassiker hat. Mehr noch: Ich kann mir gut vorstellen, dass auch eine jüngere Produzenten-Generation, die die Vorbilder 808 und 909 vielleicht nie unter den Fingern hatte, das Gerät auf Anhieb ins Herz schließen wird. Einfach weil das basale Prinzip einer physischen Maschine, die man einstöpselt und die auf Knopfdruck „Boom“ macht, jedem noch so ausgefuchsten Plug-in in Bezug auf die unmittelbar empfundene Selbstwirksamkeit haushoch überlegen ist. Den aufgerufenen Preis halte ich vor diesem Hintergrund für angemessen.

UVP: 525,- Euro / Straßenpreis: ca. 495,- Euro

 


Video: Aira Artist First ContactNina Kraviz