CD eingelegt, dreißig Sekunden gehört und schon ist klar, dass Reality Testing von Lone sein muss. Nur selten erreichen Musiker einen solch starken Wiedererkennungswert. Für sein fünftes Album hatte Matt Cutler ein loses Konzept: „Ich liebe es, wenn zwei Genres nebeneinander stehen und dabei nicht gegensätzlich sind“, steht in den Zeilen, die der CD beiliegen. HipHop und House hat er für Reality Testing nebeneinander gestellt und tatsächlich erreichen beide nicht nur ein friedliches Auskommen. Der typische Lone-Vibe, bei dem retroflächige Synths mit tiefergehängten Drums schmusen, ist allgegenwärtig. Egal, in welcher Geschwindigkeit die Kickdrums schleifen. Egal, ob „Restless City“, „Aurora Northern Quarter“ oder „Jaded“. Nenn es House mit HipHop-Attitüde oder House-Hop, ein Entweder-Oder gibt es hier nicht. Alle Tracks wurden von Cutler so spröde wie möglich belassen, man kann förmlich den Dreck in den Rillen spüren. Bei „Meeker Warm Energy“ hört man dazu auch noch Nebengeräusche, die Lone beim Aufnehmen selbst verursacht. Als Zuhörer wird man so noch nachträglich in den Studioprozess mit einbezogen, was irgendwie toll ist. Das komplette Album rutscht so schnell durch die Gehörgänge, dass man sich wundert und oft beim Drücken der Wiederholungstaste ertappt. Vor allem „Cutched Under“, so heißt der abschließende Track, ist mit seinem schrägen Rhythmus die Endlosschleife wert: Während der Rest des Albums eher ein interagierendes Nebeneinander ist, verschmelzen beim Rausschmeißer Lones Inspirationen zu einer perfekt funktionierenden Symbiose. J Dilla zieht den Hut, Mr. Fingers gibt ein High Five und dieses grandiose Album wird mich (mindestens) noch den ganzen Sommer begleiten.

 


Video: LoneAurora Northern Quarter