Die sechs Tracks dieses Konzeptalbums von Armon Bazile, besser bekannt als Aybee, und Eric Douglas Porter alias Afrikan Sciences sind über den Zeitraum von drei Jahren hinweg entstanden. Als Ausgangspunkt für Sketches Of Space haben sie den auf die Erschließung neuer Sounds gerichteten Strang aus dem Lebenswerk von Miles Davis herausgegriffen. Allerdings wurden für diese Hommage weder Aufnahmen des streitbaren Visionärs wie das im Titel anklingende „Sketches Of Spain“ gesampelt und geremixt noch gecovert, und auch im Ergebnis ist dies keineswegs Jazz. Vielmehr haben Bazlie und Porter versucht, den Afrofuturismus, der auf Bitches Brew manifest geworden ist, für eigene Exkursionen dienstbar zu machen. Die dreiteilige „Deep Eastern Suite“ nimmt mit knapp vierzig Minuten hier den größten (Zeit-)Raum ein, bleibt aber auch etwas spröde und unkonturiert. „K-Fetisch 01 (Kosmo Bahn)“ erinnert daran, wie einflussreich Herbie Hancock als Mitglied im zweiten Miles Davis-Quintett gewesen ist, „K-Fetisch 02 (Vibes)“ wirkt wie eine kammermusikalisch-mechanische Reprise. Das repetitive „Knew What’s Coming (Sculpture)“, der einzige Track mit einem Vocal, verhält sich dazu wie eine Coda. Ein Album als experimentelles Skizzenbuch. Im Soundbild sorgsam ausgehört, riskieren die im Dialog zwischen Oakland und Berlin entstanden Stücke eine anziehende räumliche Unbestimmtheit. Die Abstraktion hat aber ihren Preis: In dem Moment, in dem die von Miles Davis entwickelte Utopie der Klangforschung von der Ort- zur Ziellosigkeit übergeht, wird sie vom Geist der seinerzeit nächsten Entwicklungsstufe, der Fusion, eingeholt. Ungefähr so muss es sich anfühlen, vom Transporterstrahl zwar in granulare Teilchen zerlegt, aber nirgendwo wieder zusammengesetzt zu werden: beim Beamen hängen geblieben. Nicht uninteressant. Die Sprengkraft der kosmisch-spirituell aufgeladenen Soundentwürfe, mit denen Davis neue Territorien für den Jazz freigelegt und erobert hat, bleibt hier aber dennoch in weiterer Ferne.

 


Stream: Aybee / Afrikan Sciences – „K-Fetisch 01 (Kosmo Bahn)“