Zwanzig Jahre gibt es Kreidler inzwischen. Seit ihrem „Comeback“-Album Mosaic 2014 von 2009 haben sie wieder in regelmäßigen Abständen Platten veröffentlicht. Und nebenbei verschiedene mehr oder minder direkte Aneignungen des Krautrock-Erbes erprobt. Mit ABC scheinen sie sich wieder stärker auf ihren bewährten Postrock-Elektronik-Ansatz zu besinnen, zugleich riskieren sie eine völlig unerwartete Konstellation. Diesmal werden Kreidler nämlich von einem Chor unterstützt. Wer an dieser Stelle vor Schreck nicht mehr weiterlesen möchte, sollte sich gleichwohl nicht abschrecken lassen: Das Vokalensemble, genauer gesagt, der georgische Chor, mit dem Kreidler bei ihren Aufnahmen in Tiflis gearbeitet haben, tritt sehr dezent in Erscheinung, und das stets in erfreulicher Form. Im Vordergrund steht ohnehin die instrumentale Rhythmusbasisarbeit, doch selbst die weiß der Chor, der im zweiten Stück gerade mal aus ein oder zwei Frauenstimmen zu bestehen scheint, sinnvoll zu unterstützen. Bei alledem geht es um strenge Repetition, die konstant variiert wird, ohne sich allzu weit vom Anfangspunkt zu entfernen. ABC ist denn auch keine nostalgische Verklärung der eigenen Historie, sondern ein gesundes Lebenszeichen zum Jubiläum.

 


Video: Kreidler2+2=22 (The Alphabet)