Der Mann aus Detroit füllt den Namen dieses Magazins schon seit den frühen Neunzigern mit Inhalt. Kenny Dixon Jr. hat ihn, spielt ihn, lebt den Groove. Wie kaum ein anderer Produzent, DJ oder Musiker dieser Tage vermag er es, nahezu alle relevanten Perspektiven heutiger Clubmusik auf Albumlänge zusammenzuführen und die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Sein schlicht betiteltes Album Moodymann vereint einmal mehr bereits auf limitiertem Vinyl erhältliche Tunes mit neuen oder besser gesagt, bisher ungehörten Aufnahmen aus den nächtlichen Jam-Sessions im Studio. Auf voller Länge durchgehört erinnert das an die goldenen Zeiten des Radios. Während man hierzulande in den frühen Achtziger Jahren die neuesten US-Grooves via AFN hören konnte, brachte in Detroit ein gewisser Charles Johnson, besser bekannt unter dem Namen The Electrifying Mojo, einem jungen Kenny Dixon Jr. Namen wie Prince, Kraftwerk oder The B-52‘s nahe. Musikalische Grenzen gab es nicht, gespielt wurde, was neu und gut war. Soul, Funk, Detroit Techno, HipHop, House, Disco, Rock, Pop. Ausgehend davon hat Moodymann keinerlei Berührungsängste, ausgrenzende Genres interessieren den Mann nicht. Gut so. Das macht sich auch in den immer wieder sehr inspirierenden DJ-Sets Moodymanns bemerkbar, selbst Genesis, Supertramp oder die Doors und Peter Frampton sind dann zu hören.

Seine eigene Musik speist sich gerne aus teilweise sehr offensichtlichen, kurzen Samples, die einzigartig bearbeitet die Essenz und den Vibe der Originale herausschälen. Auch seine Remixes für José James oder Lana Del Rey, die beide auf dem Album auftauchen, ergänzen die Vorlage um einen unwiderstehlichen Groove. Sexy und intensiv. Aus einem Afrobeat-Sample bastelte Kenny einen der herausragenden Songs des Albums, „Come 2 Me“ mit Nikki-O an den Vocals, die auch beim Slow Jam „Watchin‘ U“ dabei ist. Andrés steuerte Beats für „Lyk U Use 2“ bei, einem Soul-Übertune mit Hitpotenzial. Hier, wie auch bei vielen anderen Songs, hört man Dixon Jr. selbst an den Vocals, lasziv, verraucht, dope. Das direkt anschließende „No“ gehört auf die sehr dunklen Dancefloors dieser Welt. So wie das mit typischem Moodymann Beat versehene „Sunday Hotel“, ein Techno-House-Blues-Jam, Oldschool trifft auf Newschool. Den absolut krönenden Abschluss des Albums liefert das knapp zwölf Minuten lange, die Essenz eines Funkjams atmende „Sloppy Cosmic“, live aufgenommen vor ein paar Jahren auf einem Festival. Dabei waren laut Kenny Dixon Jr. sowohl George Clinton, Parliament, Amp Fiddler und Funkadelic. Einfach mal so. „Meine Umgebung wird immer einen Platz in meiner Musik einnehmen, sie ist Teil meines Lebens.“ Detroit Strong – Grooves für die Ewigkeit.

 


Stream: MOODYMANNMoodymann (Album Preview Mix)