Allein schon wegen den sich immer wieder aufs Neue übertreffenden Cover-Illustrationen verschiedener Erdenbewohner sind die Watergate-Compilations ein echter Hingucker. Für die aktuellste Ausgabe legte nun House-Legende Kerri Chandler Hand an und spielte den Mix direkt in einem Rutsch live ein. An dieser Stelle entstehen zwei verschiedene Erwartungshaltungen. Wer Einblick in den Sound eines typischen Clubabends im Watergate gewinnen will oder einfach nur ein nettes Andenken an die dort verbrachten Stunden sein Eigen nennen möchte, kommt definitiv auf seine Kosten. Wer allerdings auf eine sorgfältig recherchierte Selektion Chandlers weitreichender musikalischer Bandbreite aus über zwanzig Jahren Erfahrung als DJ und den einen oder anderen vergriffenen Klassiker gehofft hatte, wird wohl ein wenig enttäuscht sein. Die Tracklist lässt Überraschungen oder Wagnisse vermissen, die Compilations in der Regel etwas Zeitloses geben. Dem gegenüber stehen jedoch Chandlers tadellose Mixing-Skills, durch die man sich direkt in die letzte Clubnacht mit ihm an den Plattentellern zurückversetzt fühlt. Dabei trifft aktuelles aus den Bereichen House und UK Garage wie „Guess What“ von Detroit Swindle, Real Cools „U Know U Know“ oder die Bar25-Mitträllerhymne „Who Loves The Sun“ von Nu auf deepe Clubmadness à la Headless Ghost, DJ W!ild oder Renato Figoli im Losoul-Remix. Als kleines Extra gibt’s noch zwei eigens produzierte Exklusivstücke, von denen besonders die Kollaboration mit Jerome Sydenham positiv heraussticht. Watergate 15 bildet somit einen repräsentativen Ausschnitt aus Chandlers aktuellen Clubsets, doch das gewisse Quäntchen Nachhaltigkeit, die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, darf man vermissen.