Text: Tobias Thomas | zur Übersicht der 50 besten elektronischen Alben
Erstmals erschienen in Groove 145 (November/Dezember 2013)

Wenn ich an Jan Jelineks Album Loop-finding-jazz-records denke, erschienen 2001 auf dem wunderbaren und zu dieser Zeit absolut stilbildenden Berliner Label ~scape, gerate ich automatisch ins Schwärmen, mehr noch als bei vielen alten Primetime-Hits oder sonstigen Lieblingsliedern. Ich erinnere mich an die Nächte im Kölner Studio 672, wo Jelineks unfassbar intime, gefühlvolle, schwebende Musik in keinem unserer Warm-ups fehlen durfte – und wie „warm“ es einem dabei wurde! Seine Clicks und Cuts waren wie funkelnde Fragmente, die man aus einem großen Diamanten herausgelöst hatte. Umhüllt von digitalem Sternenstaub, dabei nie kalt, sondern geschmeidig und feinstofflich dahingroovend, bewegten sich seine Tracks wie ein Amalgam von Ambient, freier Elektronika und sehr tiefer, sehr reduzierter House Music. Eine Kategorie wie „Minimal“ spielte hier allenfalls eine untergeordnete Rolle. Genauso wenig wie „Jazz“. Einen schönen Effekt hat sich diese immer wie ein Lagerfeuer knisternde Musik übrigens bis heute bewahrt: Sie klingt auch digital wie von Vinyl.

 


Video: Jan JelinekDo Dekor