Texte: Daniel Fersch (DF), Heiko Hoffmann (HH), Felix Hüther (FH), Sascha Uhlig (SU), Sebastian Weiß (WEISS)
Erstmals erschienen in Groove 146 (Januar/Februar 2014)

Von A bis Z: Zehn Künstler, von denen wir überzeugt sind, dass sie in diesem Jahr für Aufsehen sorgen werden!

 

Andras Fox

Andras Fox

Der in Melbourne, Australien, beheimatete DJ und Produzent Andras Fox, der eigentlich Andy Wilson heißt, steht auf analoges Equipment und alte Platten, von denen er gerne die Beats für seine schwärmerischen House-Songs samplet. Auf seiner grandiosen, aber von leider viel zu vielen überhörten Embassy Café-LP, die Mitte 2013 bei den Niederländern von Dopeness Galore erschien, singt darüber auch noch stets gefühlvoll und doch fern von Kitsch Oscar S. Thorn. Dazu entlockt der Ex-RBMA-Teilnehmer Fox seinen Synthesizern liebliche Melodien, wie sie jeder Frühneunziger-Houseproduktion zwischen Burrel Brothers, Dream 2 Science oder Larry Heard mehr als gut zu Gesicht gestanden hätten. Da kommt 2014 noch Großes auf uns zu, ganz bestimmt! (SU)

 


Stream: Andras FoxEmbassy Café (Album Preview)

 


 

Funkineven

FunkinEven

Eigentlich erlebte Steven Julien alias FunkinEven seinen Durchbruch bereits 2012 gemeinsam mit der Sängerin Fatima und dem jazzigen House-Song „Phone Line“. Im vergangenen Jahr zeigte sich der Londoner, der zum festen Künstlerstamm von Floating Points Label Eglo gehört, jedoch so umtriebig wie nie zuvor – unter anderem mit einer hervorragenden EP auf Julio Bashmores Broadwalk Records und Kollaborationen mit Kyle Hall als FunkinEvil. Mit Hall verbindet den vielseitigen Produzenten die Liebe zu analogen Synthesizern und Drumcomputern. Ob aus diesen Maschinen nun Electro, Acid-House oder Pop-Experimente kommen, am Ende durchzieht Juliens Stücke als roter Faden stets: der Funk. (DF)

 


Stream: FunkinEvenSpecies EP

 


 

Gesloten Cirkel

Gesloten Cirkel

Gesloten Cirkel stammt aus Moskau und hat in Chicago irgendwas mit Multimedia studiert. Damit wären dann auch schon alle bekannten (und vielleicht nicht einmal wahren) biographischen Fakten zu dem mysteriösen Produzenten abgehakt. Ein im Netz kursierendes Schwarz-Weiß-Foto von ihm zeigt einen glatzköpfigen Mittdreißiger inmitten seines Geräteparks. Sein einst mit allerseits Nonsens und hämischen Kommentaren gepflegter Twitter-Account ist seit einem halben Jahr verstummt und nicht nur im Internet gibt sich der mutmaßliche Russe rar. Seit 2009 sind via Murder Capital, Moustache Techno sowie zuletzt Berceuse Heroique lediglich drei (mittlerweile ziemlich rare) Singles von ihm erschienen, auf denen so dreckige wie unglaublich funky Analog-Perlen mächtig Bock auf mehr machen – wir hoffen auf das kommende Jahr! (SU)

 


Stream: Gesloten CirkelHole

 


 

Max Graef

Max Graef

Der Berliner Max Graef kann als Paradebeispiel für die nachrückende Generation junger, talentierter House-Produzenten gelten und teilt sich die Booking-Agentur bereits mit so etablierten Künstlern wie John Talabot, Move D, Ata oder Gerd Janson. Für sein Alter weißt Graef bereits eine recht umfangreiche Diskographie vor, remixte Session Victim und ist auf der demnächst erscheinenden DJ-Kicks von Brandt Brauer Frick vertreten. Sein vor zwei Jahren gegründetes Label Box aus Holz gilt unter Kennern als Insidertipp und wird in Kürze durch das Schwesterlabel Torben erweitert. Stilistisch bewegt sich sein Output zwischen House, Hip-Hop und einer gewissen Detailverliebtheit beim Sampling und Arrangement. Weitere Projekte wie Ctepeo ’57 zusammen mit Muff Depp zeigen, dass Graef sein Pulver noch längst nicht verschossen hat und definitiv im Auge behalten werden sollte. Für März ist sein Debütalbum auf Tartelet geplant. (FH)

 


Stream: Max GraefRivers of the Red Planet (Album Preview)

 


 

Helena Hauff

Helena Hauff

Weil Helena Hauffs Mutter das Kaufen von CDs als Geldverschwendung ansah, informierte sich die Hamburgerin als Kind via Bibliothek-Ausleihe und Radio-Sendungen über Musik, die sie auf Kassetten aufnahm. Dem Medium ist sie treu geblieben: Neben einer Veröffentlichungen auf PAN erschien 2013 auch eines ihrer DJ-Sets auf dem Tape-only-Sub-Label von Blackest Ever Black. Die Resident-Sets ihrer „Birds & Other Instruments“-Events im Hamburger Golden Pudel Club reichen von Electro, Acid und Techno, über Cold Wave, Garage Punk und Cosmic Jazz bis zu Art Noise und Industrial – Barrieren gibt es für Hauff keine, es geht um Energie. Um Vibes. Ums Tanzen. Ihre Verve für düstere Sounds kanalisiert sie nun auch in Produktionen, etwa auf der Debüt-EP „Actio Reactio“ auf Actress’ Label Werk Discs. Ein 808-Rausch trifft hier auf Acid-Electro und Minimal Wave. (WEISS)

 


Stream: Helena HauffGroove Podcast 26

 


 

Kobosil

Kobosil

Wie aus dem Nichts war der Name auf einmal publik: Kobosil. Wurde nach dem Release seines Remixes für Barker & Baumeckers „Silo“ auf Ostgut Ton noch gemutmaßt, dass es sich hier um einen etablierten Künstler handeln müsse, sind die Rätsel (wenn auch nicht alle) gelöst. Der 22-jährige Berliner bot mit seiner selbstveröffentlichten Debüt-EP „——-“ ein morbides Fanal an, das sich mit den Zugaben Industrial, rohem Techno und Noise-interessierten Exkursionen schnell zu entfachen verstand. Dass Kobosil eine Ausbildung in Audio Production genossen hat, ist auch seiner Unterton-EP „- —–“ anzuhören. Cutting-Edge-Techno mit puristischer Härte, SciFi-Themen und tiefergelegten Drones, auf denen auch Acid-Verzierungen Platz finden. Sein Debüt-Set im Berghain war einer der Höhepunkte der Ostgut Ton Nacht, ein Live-Set ist in der Mache und ein zweites, eigenes Release auch. (WEISS)

 


Stream: Kobosil„- —–“ (Preview)

 


 

Leibniz

Leibniz

Tippt man in die Suchmaschinen dieser Welt den Begriff „Leibniz“ ein, landet man entweder beim berühmten Keksgebäck aus Hannover oder dem Philosophen Gottfried Wilhelm. Doch lange kann es nicht mehr dauern, bis sich auch der gleichnamige Produzent aus Leipzig unter den obersten Ergebnissen tummelt. Von Bayern über Berlin verschlug es Leibniz mittlerweile in die Messestadt, von wo aus er auf Fairplay bereits eine gelungene Digital-EP auf uns losließ und via Fourth Wave ein grandioses Vinyldebüt nachlieferte. Darauf zu hören: House-Musik mit Ecken und Kanten, Technobretter, die die Welt bedeuten, HipHop-Roots und ein stattliches Bassbollwerk, das 2014 noch ganz gewiss zahlreiche Tanzflure erzittern lassen wird. (SU)

 


Stream: LeibnizFourth Wave EP (Preview)

 


 

Konstantin Sibold

Konstantin Sibold

Auch wenn Konstantin Sibold nicht erst seit gestern DJ ist und bereits seit 2009 als Resident regelmäßig im Stuttgarter Club Rocker 33 spielt, gelang ihm erst im vergangenen Jahr als Produzent so richtig der Durchbruch. EPs auf Snork oder Caramelo legten dafür den Grundstein und schufen ein kontinuierlich wachsendes Interesse an dem 26-jährigen Schwaben, dessen vielseitiger Sound stets zwischen klassischem House und technoideren Spielvarianten mit Detroiteinfluss wechselt. So interpretierte er 2013 neben einem Beitrag für die aktuelle „Secret Weapons“-Compilation auf Innervisions auch „I Can See“ von Jazzanova für Dennis Ferrers Label Objektivity neu und konnte mit seinem TB303-geschwängerten Remix für DJ Yellow & Flowers And Sea Creatures einen der Hits des vergangenen Sommers abliefern, der es bis auf die aktuelle Cocoon-Compilation von Sven Väth schaffte. Wir sind gespannt, was da nächstes Jahr noch folgt, ein Album könnte sich Sibold jedenfalls vorstellen. (FH)


Stream: Konstantin Sibold & Leif MüllerGroove Podcast 24

 


 

Roosevelt

Roosevelt

Roosevelt ist ein Paradebeispiel dafür, wie mit nur einem ins Netz gestellten Song eine Karriere gestartet werden kann. „Sea“ hieß der erste Track, den der ehemalige Indieband-Schlagzeuger Marius Lauber für sein Soloprojekt Roosevelt fertiggestellt hatte. Es folgten ein Plattenvertrag, eine große Bookingagentur und diverse Remixaufträge. 2013 legte Roosevelt mit der „Elliot“-EP auf Greco-Roman nach, deren drei neue Stücke wie zuvor schon das ebenfalls wieder enthaltene „Sea“ live eingespielte Instrumente mit verträumten Gesang und House-Beats verband. Mittlerweile ist der 22-jährige Lauber von Köln nach Berlin gezogen. Nicht um Party zu machen, sondern um in Ruhe an seinem Album arbeiten zu können. (HH)

 


Stream: RooseveltElliot

 


 

Tessela

Tessela

Aus dem Revival von UK Hardcore und Jungle, das 2013 aus Großbritannien herüber schwappte, ragte ein Track hervor: „Hackney Parrot“ von Ed Russell alias Tessela brachte mit Diva-Vocals und clever konstruierten Breakbeats die nervöse Energie der frühen Neunziger zurück. Dennoch klang er, wie auch Russels EP „Nancy’s Pantry“, absolut zeitgemäß. Er versuche stets etwas neues zu erschaffen, selbst wenn er Stilmittel aus einer früheren Ära aufgreife, sagte der Produzent in einem Interview. Für die Zukunft kündigte Russell, der Anfang Zwanzig ist, gemeinsame Veröffentlichungen mit seinem älteren Bruder Tom (alias Truss und MPIA3) unter dem Pseudonym TR\\ER an. Auch diesen Namen sollte man sich merken. (DF)

 


Stream: TesselaNancy’s Pantry