Text: Heiko Hoffmann | zur Übersicht der 50 besten elektronischen Alben
Erstmals erschienen in Groove 145 (November/Dezember 2013)

Für Kid A, ihrem vierten Album, stellten Radiohead ihr bestehendes Bandgefüge in Frage. An die Stelle fest verteilter Rollen für Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang trat die kollektive Arbeit an Sounds. Als neue Instrumente dienten ebenso Cubase und Klavier, Streicher und Drumcomputer. Der Fokus lag auf Rhythmus statt Melodie, Thom Yorkes Stimme wurde wie ein Instrument eingesetzt. Den zehn Stücken hört man die neu gewonnene Faszination für Warps Backkatalog, deutschen Gruppen wie Can und Neu! sowie dem Jazz-Pianisten Charles Mingus an. Für „Idioteque“ sampleten sie Aufnahmen der Elektronik-Komponisten Paul Lansky und Arthur Kreiger und landeten damit ihren bis heute einzigen Clubhit. „Kid A habe ich mir schon wiederholt auf Vinyl gekauft. Ich lege ‚Idioteque’ so oft auf, dass die erste Platte schon ziemlich durch war“, sagte Marcel Dettmann mal in einem Interview mit uns. Mit Kid A gelang Radiohead eine Neuausrichtung, wie sie in dieser Radikalität und Qualität zuvor vielleicht nur Bands wie New Order oder Talk Talk erreichten.

 


Video: RadioheadIdioteque