Text: Arno Raffeiner | zur Übersicht der 50 besten elektronischen Alben
Erstmals erschienen in Groove 145 (November/Dezember 2013)

Es heißt, Christian Fennesz habe immer wieder Brian Wilson gehört, als er um die Jahrtausendwende in Wien an Endless Summer arbeitete. Er wollte den Abstraktionswettkampf, der Teile der damaligen Musikszene bestimmte, hinter sich lassen und zurückfinden zu einer so banalen wie schönen Wahrheit: zur Melodie. Für Fennesz bedeutete das auch, zum wiedererkennbaren Klang seines ursprünglichen Instruments zurückzufinden: zur Gitarre. Das Faszinierende an diesem Album ist, wie genau dieser Prozess abgebildet wird – und natürlich auch, wie wunderbar das Ergebnis klingt. Es geht los mit Kabelbrummen, mit Knistern, Knacksen, Kratzen. Dann erste Gitarrenklänge, wie zerfetzt. Die Technik steht im Vordergrund, sie wirkt wie ein digitaler Schleier, durch den immer wieder das gleißende Licht von Bildern eines endlosen Sommers bricht: hymnisch, teilweise hemmungslos romantisch (und kongenial eingefangen vom Cover-Artwork von Tina Frank). Ein Album, das denkbar weit weg war von der kühlen Laptop-Avantgarde der Zeitgenossen. Und das immer noch wirkt wie außerhalb der Zeit.

 


Stream: FenneszEndless Summer