Text: Thomas Venker | zur Übersicht der 50 besten elektronischen Alben
Erstmals erschienen in Groove 145 (November/Dezember 2013)

Bevor Matias Aguayo ab 2005 mit seinen Alben Are You Really Lost, Ay Ay Ay sowie The Visitor und dem eigenen Label Cómeme südamerikanische Einflüsse in die zeitgemäße elektronische Musik einführte, war er eine Hälfte von Closer Musik. Gemeinsam mit Dirk Leyers schenkte er Minimal Techno damals ein anderes, wärmeres Körpergefühl. Die Musik des Albums nennt alle Zeit ihr eigen, lässt sich nicht von der Außenwelt in ihrem Habitus beeindrucken, sondern dreht sich Takt um Takt tiefer in sich selbst, gestützt von den ewigen Wiederholungen der kurzen Textfetzen in den Vocal-Tracks.

Das Album, das sich über die vergangene Dekade zu einem echten Klassiker im Labelkatalog von Kompakt entwickelt hat, zeigte lange vor der Deep-House-Welle der mittleren Nullerjahre, dass sich elektronische Musik und Gefühle nicht ausschließen müssen. Die acht Akte des Albums erinnert an britische Dance Music der neunziger Jahre, weiß diese aber mit dem Minimal des neuen Jahrtausends zu kreuzen. After Love ist ein Appell an die Utopie von „Lost In Music“, ein einnehmender Aufruf, der auch elf Jahre nach Erscheinen eine nicht negierbare Versuchung verkörpert.

 


Video: Closer MusikCloser Dancer