Foto: Ragnar Schmuck

Nach einer monatelangen Hängepartie ist der erbittert geführte Streit um die Reform der GEMA-Tarife für Veranstaltungen beigelegt. Die Musik-Verwertungsgesellschaft und ihr Verhandlungspartner, die Bundesvereinigung der Musikveranstalter, präsentierten gestern als Ergebnis ihrer Verhandlungen eine neue Tarifstruktur, die Clubs und Veranstalter wesentlich weniger stark belastet als im umstrittenen Entwurf von 2012 vorgesehen. Die ursprünglich vorgesehene Tarifreform, die Erhöhungen der GEMA-Beiträge um bis zu 1.000 Prozent zur Folge gehabt hätte, hatte zu heftigen Protesten geführt und war im Frühjahr diesen Jahres von der Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt beanstandet worden.

Nach den neuen Tarifen, die ab 1. Januar 2014 gelten, erhöht sich der GEMA-Beitrag für die Musiknutzung in Clubs und Diskotheken linear entsprechend der Fläche des Veranstaltungsraums und der Höhe des Eintrittsgeldes. Nach Angaben der GEMA wird die Höhe der Lizenzgebühren, die sie kassiert, bei maximal 10 Prozent der Türeinnahmen gedeckelt. Zudem wird die Erhöhung nur schrittweise über acht Jahre hinweg bis zum 31. Dezember 2021 eingeführt. Laut der Bundesvereinigung der Musikveranstalter werden die Beiträge von Clubs mit zwei Veranstaltungstagen in der Woche am Ende dieser Einführungsphase zwischen 29 und 123 Prozent höher liegen. Für kleine Clubs und nicht kommerzielle Veranstaltungen würden die Beiträge sogar sinken. Zur genauen Berechnung der jeweiligen Abgabe stellt die GEMA auf ihrer Webseite einen Tarifrechner bereit.

Weiterhin bestehen bleibt die ebenfalls umstrittene DJ-Abgabe für die Wiedergabe von (digitalen) Tonträger-Kopien. Diese wurde früher von den Clubs als „Laptop-Zuschlag“ abgeführt und war in diesem Jahr als erstes Zugeständnis an die Veranstalter aus den Musiknutzungs-Tarifen ausgeklammert worden. Sie muss seitdem von den DJs selbst bezahlt werden.

  • Gema-Tarife – Einigung ja, teuer ja, fair nein
    http://www.toxic-family.de/articles.php?id=166&sec=1

    „Das befürchtete große Clubsterben wurde wohl abgewendet, doch der Tarif für Diskos und Clubs mit einer 8-Jahres-Staffelung ist dennoch nichts anders als schleichender Wucher und könnte am Ende doch den einen oder anderen Club auf dem Gewissen haben. Langsames Clubsterben halt. Denn die Berechnung sind auch weiterhin benachteiligend und nicht im Sinne der Funktionalität eines Clubs durchdacht oder gar angemessen. So kann man auch ruhig sagen, dass sich die Dehoga bei den Verandlungen mal mächtig über den Tisch hat ziehen lassen. Schade, dass dies auch noch als Erfolg in den Medien gefeiert wird.“

  • Michel

    1. Anstatt die Kopie von Pressemitteilungen als Journalismus zu verkaufen, sollte man sich mit einem Taschenrechner und Tarifblättern auseinandersetzen.

    Die GEMA überbietet sogar den Schiedsspruch des DPMA. Das DPMA wählte im Schiedsspruch im April 2012 selbst ein Beispiel:
    Club mit 200-300m2, 6 Euro, 2 Tage die Woche
    Macht nach Tarif 2012 497,62 Euro/Monat, nach Tarifvorschlag DPMA 744,00 Euro/Monat und nach dem nun neuen Tarif M-CD ab 2014 827,04 Euro/Monat
    Somit eine Preissteigerung von 66% und sogar 11% über dem DPMA-Vorschlag

    VdMK e.V. mit einem Beispiel eines Müncher Clubs:
    Club mit 305m2, 6 Tage die Woche, 8 Euro Eintritt
    Macht nach Tarif Stand 2012 7.040,40 Euro/Jahr, nach Tarifvorschlag DPMA 21.725,57 Euro/Jahr und nach dem nun neuen Tarif M-CD ab 2014 43.250,40 Euro/Jahr
    Somit eine Preissteigerung von 514% und sogar 99% über dem DPMA-Vorschlag

    Richtig ist, dass die GEMA eine 8-jährige Phase mit Rabatten für die Markteinführung gewährt, aber am Ende stehen die Clubs den Kostensteigerungen der tatsächlich geplanten Tarife gegenüber und müssen mit diesen schon heute ihre Zukunft planen. Diese Einführungsrabatte können mit einer schleichenden Vergiftung der Kultur verglichen werden, kulturell wertvolle aber wirtschaftlich nicht immer sinnvolle Nischen werden als erstes darunter zerbrechen, die kulturelle Vielfalt ist gefährdet. Die Kultur wird zunehmend kommerzialisiert.

    Keine 14tägige Veranstaltungen mehr!
    Der Tarif M-CD beinhaltet mehrere Punkte, die diskussionswürdig sind. Ein Beispiel: Es wird „(b)ei unterschiedlich vielen wöchentlichen Regelöffnungstagen (…) die jeweils höchste Anzahl zugrunde“ gelegt. Wer also bisher jede zweite Woche eine Veranstaltung durchführte, kann diese nun getrost einstellen, da er sonst eine nicht existierende Veranstaltung in der Woche zu zahlen hat, in der diese 14-tägige Veranstaltung nicht stattfindet. Hier werden von der GEMA Einnahmen generiert, die gar nicht existieren.

    2. Genauso unkritisch wird fleißig die Presseerklärung bezüglich VR-Ö veröffentlicht. Hierzu kann man nur einen Spezialisten mit jahrzehntelanger Erfahrung zitieren. Das Statement ging durch Facebook und Foren noch vor der Veröffentlichung dieses Artikels in Groove.

    „Nicht alles, was nachvollziehbar oder aus der Sicht der GEMA zweckmäßig erscheint, ist aber auch urheberrechtlich zulässig. Denn im Urheberrecht gibt es den Grundsatz, dass nur solche Nutzungen selbständig lizensierbar sind, die technisch und wirtschaftlich eigenständig sind. Das trifft auf die Vervielfältigungen von Musik, die ein DJ zum Zweck der öffentlichen Wiedergabe dieser Musik bei seinen Auftritten in Diskotheken vornimmt, nicht zu. Zwar handelt es sich zweifellos um Vervielfältigungen im Sinne von § 16 UrhG. Diese können aber nicht als solche – losgelöst von ihrer Verwendung im Diskothekenbereich – lizensiert werden, weil es insoweit lediglich um notwendige, aber rechtlich unselbständige Vorbereitungshandlungen für die damit bezweckte Nutzung (öffentliche Wiedergaben) geht. Der Tarif VR-Ö ist daher – abgesehen von weiteren Fehlern – mit dem geltenden Urheberrecht nicht zu vereinbaren.“ Quelle: Dr. Poll für Projekt Phoenix – auf DigitalAnalog.org

    Wenn man sich nicht auskennt sollte man zumindest zwei Seiten der Medaille betrachten und nicht voreilig einen solchen Artikel veröffentlichen.

  • Tille

    Sehr sehr schlechter Journalismus von Euch…