Text: Heiner Kruse
Erstmals erschienen in Groove 144 (September/Oktober 2013)

Manchmal hat man Glück im Leben, manchmal Pech. Und weil das so ist, sollte man es auch ohne schlechtes Gewissen genießen, auf der Sonnenseite zu stehen. Diesmal haben wir Musiker Glück. Denn das mit Final Cut Pro X ist sowas von in die Hose gegangen, dass Apple es bei Logic Pro X einfach besser machen musste. Und so kam es.

 

Apple wollte schon immer erzieherisch sein, plötzlich sollten wir beispielsweise in die andere Richtung scrollen. Aber nun – oh Wunder – eine Kehrtwende, selbst eine Save-As-Funktion finden wir bei Logic wieder, die Apple uns zuvor selbst aus dem einfachen Text-Editor zugunsten einer automatischen Speicherung ohne Wiederbringungsoption schlicht geraubt hatte. Nun gut, ganz können sie es nicht sein lassen, automatisch gespeichert wird auch in Logic Pro X und die Library ist nun links statt rechts, weil der Mensch ja angeblich immer schon von links nach rechts gearbeitet hat. Viele Menüstrukturen wurden wie üblich komplett über den Haufen geworfen und neu organisiert, auch Editoren wurden überarbeitet. Aber das ist hinnehmbar, denn eigentlich ist noch fast alles da, was man kennt, inklusive der Effekt-Plugins, selbst die alten Shortcuts kann man importieren. Und einiges ist besser: So kann Logic Pro X Dokumente sogar bis hinunter zur Logic 5-Version öffnen. Nur 32-Bit-Plugins laufen leider nicht mehr. Dass Logic X trotzdem ein verkapptes Garage Band sein kann (oder vielleicht mal ganz sein wollte) merkt man, wenn man die Advanced Settings ausmacht: Plötzlich sind alle Profi Features weg – aber zum Glück kann man sie zurück holen! Apple spricht immer gerne neue Kunden an, zum Glück wurden diesmal die alten nicht vergessen. Alles andere wäre dumm gewesen, denn die Fangemeinde von Logic ist bestimmt größer als die von Garage Band, selbst wenn Letzteres viele automatisch oder zum Ausprobieren installiert haben.

 

Was ist neu?

 

Logic Pro X Plugins

Flex Pitch, ein auf den ersten Blick gut funktionierender Melodyne-Verschnitt zur in Logic integrierten Tonhöhenkorrektur, nicht zuletzt für Vocals. Track Stacks erlauben uns endlich, Elemente in Ordner zu packen, um so eine besser Übersicht im Arrangement zu erhalten. Nicht nur das, denn sogenannte Summing Stacks erlauben nun endlich, eine Kombination aus mehreren Instrumenten und Kanalzügen als ein einziges Patch zu speichern. Mit Smart Controls kann man nun verschiedene Parameter einer Art Macro-Knopfsammlung zuordnen und dabei Werteskalierungen vornehmen, wie man sie von Kontakt oder Reasons Combinator kennt. Der Sample Editor heißt jetzt File Editor, neue Effekte gibt es dort nicht, aber es gibt auch noch einen Track Editor, in dem man zum Beispiel Flex Edits gezoomt vornehmen kann, ohne im Arrangementbereich zoomen zu müssen. Neue Arrangement-Marker sind mit den Regionen verbunden, sodass alles mitbewegt wird, wenn man Arrangement-Marker bewegt. Normale Marker lassen sich in verschiedene Marker Sets gruppieren – Pro Tools grüßt aus der Ferne. Groove Tracks können Groove-Vorgaben für die restlichen Tracks machen. Der Drumkit Designer mit austauschbaren Kits und Einzelsounds liefert dynamisch Schlagzeugtracks für die sich verschiedene „virtuelle“ Drummer verantwortlich zeichnen. Man kann jetzt auch das iPad zur Fernsteuerung einsetzen – cool! Neue MIDI-Plug-Ins wie Arpeggiator funktionieren nun durch einfaches Öffnen im Slot eines Kanalzuges. Aber hey, wer hätte das gedacht, selbst das Environment ist noch da! Auch die Logic 9-Keyboard-Plugins EVP, EVB und EVD sind noch verfügbar, heißen aber jetzt Vintage Electric Piano, Vintage B3 und Vintage Clav. Ja, diese Umbenennungen sind durchaus beispielhaft dafür, dass sich eigentlich gar nicht so viel geändert hat, wie es scheint. Aber zweifelsohne sind die Neuigkeiten vor allem wichtige Workflow-Verbesserungen, denn das Rad muss nicht mehr neu erfunden werden. Wirklich neu im Bereich der Klangerzeuger ist der Retrosynth mit seinen an Moog, PPG und DX7 angelehnten Synthese-Modi. Neu auch, die zeitgemäße Soundcloud-Sharing-Option, die über den Medienbrowser erreichbar ist.

 

Fazit

 

Logic Pro X Groove Remote

Insgesamt ist es doch ein reizvolles Update, mit dem man vermutlich besser produzieren kann als mit der Vorversion – einzig die Koppelung an Systemupdates macht mir Sorge. Denn als Musiker will man ein gut laufendes System ohne Not eher nicht updaten. Aktuell benötigt Logic Pro X mindestens System 10.8.4 Mountain Lion (wobei das besser ist als sein Ruf). Logic Pro X kann nur im App Store gekauft werden, von dort muss man zunächst den zirka 650 Megabyte schweren Installer herunterladen. Die finale Installation genehmigt sich dann knapp 2,5 Gigabyte Festplattenspeicher. Positiv ist auch zu werten, dass Logic 9 und Logic Pro X als Installationen nebeneinander koexistieren können, was den Umstieg ein bisschen leichter macht.

UVP: 179,99 Euro