Bereits „Okay“, den Opener des zweiten Albums des in NYC beheimateten Synthpop-Duos Holy Ghost!, könnten die Pet Shop Boys als Frontalangriff auf ihren Thron ansehen. Überhaupt winken Euro-Dance-Motive und balearische Momente aus allen Ecken und Winkeln der Arrangements. Denn Dynamics ist ein ausgesprochen songorientiertes Album – Alex Frankel hat hörbar großes Vertrauen zu seiner Stimme gefasst. Die Strahlkraft des Leitbilds Giorgio Moroder scheint sich ebenfalls noch verstärkt zu haben. Freilich pflegt ein US-Act wie Holy Ghost!, der sich nach einem Song der Soul-Ikonen The Bar-Kays benannt hat, ein eigenes Verhältnis zum Funk. Der ist auf den elf Stücken von Dynamics aber stets vollsynthetisch temperiert. Im Mittelpunkt steht das Songwriting: Auch wenn sie das ein oder andere Mal übers Ziel hinausschießen (etwa auf „Changing Of The Guard“), in den Melodien beweisen sie großes Gespür dafür, was catchy ist – mit der gewaltigen Ballade „It Must Be The Weather“ und dem smoothen Popsong „I Wanna Be Your Hand“ als Kernstücke des Albums oder Dancefloorhymnen wie „Bridge And Tunnel“ und „Dance A Little Closer“ gelingen grandiose Popmomente. Dass die New Yorker mit Dynamics den einen oder anderen alten Fan vor den Kopf stoßen, werden sie bewusst in Kauf genommen haben. Für diesen Mut sind Holy Ghost! zu beglückwünschen.

 


Stream: Holy Ghost!Dynamics