Erstmals erschienen in Groove 144 (September/Oktober 2013)

Hell, du hast dich ohne lange zu zögern für Derrick May als deinen liebsten DJ entschieden. Wieso?

Ich habe ihn in der vergangenen Zeit ein paar Mal gehört, wir waren auch gemeinsam auf Festivals und ich fand ihn schon immer einen der innovativsten und mutigsten DJs überhaupt. Er ist für mich im Ganzen der DJ der DJs, was Technik betrifft, Musikauswahl, Mixing, Equalizing und die Arbeit mit Effekten. Derrick ist halt so ein DJ, den man noch aus der alten Schule kennt, aus Detroit und Chicago.

Wie genau hat er dich beeinflusst?

Man kannte natürlich seine Platten und die waren an Innovation kaum zu übertreffen. „Strings Of Life“ und einige mehr sind ja bis heute unübertroffene Klassiker. Natürlich fasziniert mich auch seine Verweigerung dem Produzieren gegenüber, seit Anfang der Neunziger keine Remixe mehr zu machen und sich ausschließlich auf diese never ending world tour als DJ zu begeben, um seine Definition moderner elektronischer Tanzmusik weltweit zu verbreiten. Das macht er ja bis heute.

Von Derrick habe ich auch gelernt, dass man manchmal etwas riskieren muss, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Er ist sehr vocal- und songorientiert, alle musikalischen Genres sind in seinen Sets möglich. Derrick ist einfach ein DJ und Arbeiter, der mit Stimmungen umgehen kann und immer genau die Musik spielt, die keine anderen DJs auflegen. Er spielt viele ungewöhnliche Sachen und das ergibt eine großartige Geschichte. Das ist immer sehr faszinierend und er überrascht die Leute. Und auch technisch ist er auf so einem hohen Niveau, diese Art von DJing ist ja eigentlich schon vom Aussterben bedroht. Er benutzt zum Beispiel auch die Start/Stop-Taste am Plattenspieler um damit ausdrücken: Hier ist jetzt ein Stück zu Ende und hier beginnt das Neue, entweder mit einem Intro oder einem Vocal.

Gab es einen bestimmten Moment, der sich besonders beeindruckt hat?

Solche Momente gab es eigentlich bei jedem seiner Sets, oder auch längere Passagen und manchmal sogar das ganze Set. Das waren Momente, bei denen ich mir sicher war: Das ist die hohe Schule, das ist DJ-Kunst.

DJ Hells Mix-CD Kern Vol. 2 ist bei Tresor erschienen.