Unter der Prämisse des Wandels zeitgenössischer DJ-Kunst in einen kulturellen Konsensbegriff erlaubt sich Thomas Meinecke die bloße Koexistenz der Musiker- und Autorenfunktion in seinen Texten gekonnt infrage zu stellen. Warum auch nicht? Beide Kulturfelder bedient er schließlich selbst mit Inhalten und lässt sie deshalb auch miteinander im Wechsel wirken. Seine zweimonatlich in der Groove veröffentlichten Kolumnentexte der vergangenen sechs Jahre bringt der Verbrecher Verlag nun gebündelt unter dem Titel Analog heraus.

In reflexiven Erfahrungsprojektionen lässt Meinecke als umtriebiger DJ theoretisierte Gedanken über musikalische und popkulturelle Prozesse schweifen, die nicht allzu selten politische Fließrichtungen einschlagen und omnipräsente Fragen des DJ-Daseins und der Clubentwicklung diskutieren. Dabei instanziiert er sich scheinbar selbst als einzigen Zusammenhang, den die 33 anekdotenhaften Gedankenausschnitte liefern, denn Analog verweigert sich durch seinen schrill-fragmentarischen Schreibstil konsequent einer klaren inhaltlichen Linie, bewegt sich zudem außerhalb jeglicher schriftstellerischer Normen – glücklicherweise. Die Dichte und Vielfalt seiner inhaltlichen Verlinkungen, ob nun auf rein musikalischer Basis oder im Kontext von Themen wie nationale Identität, Genderpolitik, szeneinterne Distinktionsmechanismen oder Mainstream-Mythen, skizziert Meinecke stilistisch gesehen etwa höchst variabel und überlässt dem Leser somit eine Vielzahl weiterer Rezeptionsansätze. Analog kreiert als virtuos komponierte Textsammlung seinen ganz eigenen Sound, steckt zudem Assoziationsfelder der elektronischen Musikkultur neu ab und fordert interessanterweise vor allem den eigenen Musikgeschmack heraus.

Thomas Meinecke: Analog (mit Illustrationen von Michaela Meliàn, Verbrecher Verlag, Berlin 2013, 112 Seiten, 14,00 Euro)