Paul Woolford ist ein Kind der Neunziger, das wird einem bei „Wall To Wall“ mit jeder weiteren verzerrten Kickdrum eingehämmert. Es ist der erste Track seiner „Hardcore EP“, die fünfte Platte unter seinem Alias Special Request. Remixe dafür kommen von den beiden außergewöhnlichen Talenten Anthony Naples und Lee Gamble. Der New Yorker Naples nimmt sich „Mindwash“ vor und baut das Original in eine Lo-Fi-Variante mit verrauschten Breaks und verpeilter Melodie um. So als ob der Track über einen schlechten Mittelwellenempfänger gemastert wurde. Ganz stark! „Broken Dreams“ ist neben dem Naples-Mix auch ein Killer der Platte: Hardcore Breaks treffen auf ein „Champion Sound“-Vocal und suhlen sich in Nostalgie. Squarepusher und Aphex Twin grüßen freundlich. Lee Gamble schließlich macht das, was er am besten kann – Dinge auseinandernehmen und fehlerhaft wieder zusammensetzen. Eine leise gedrehte Kickdrum und eine ständig präsente Hi-Hat halten ein fragiles Gebilde aus hingehauchten Stimmfetzen und ehemaligen 808-Ravestabs zusammen. „Capsules“ ist ein sechsminütiges Versprechen, aber was versprochen wurde ist unklar und am Ende auch egal. Der perfekte Abschluss für diese extrem abwechslungsreiche Platte. Die zweite aktuelle Platte von Woolford ist Hotflushs dreißigste Veröffentlichung: „Untitled“ ist so funktional wie funktional nur sein kann, denn dieses Piano zeitlos zu nennen, wäre eine arge Untertreibung. Der Refrain ist so eingängig wie die jeweils aktuelle Top Ten und genauso schnell wird der Track wieder aus den Plattenkisten verschwunden sein. Die Rückseite mit „Overload“ ist im Gegensatz dazu wieder ein kantiges Ravebiest, wo Jungle und Techno zusammen Abriss feiern. Für Woolford ist sein neuerer Produktionsname allerdings ergiebiger, denn im direkten Vergleich liegt die „Hardcore EP“ auch dank der Remixe weiter vorne.