Die zum Prinzip erklärte Entgrenzung in der Bar 25 hat sicherlich einige erzählenswerte Geschichten hervorgebracht. Diese in einem Roman zu verarbeiten, könnte sich also lohnen. Im Falle von Ju Innerhofers Die Bar geht der Versuch aber gehörig schief. Die Wahlberlinerin – Doktorin der Humanmedizin und ehemalige Barfrau in dem legendären Club – schreibt hier die Geschichte einer gewissen Mia, die in einem Laden namens „Bar“ hinterm Tresen steht. Mia erzählt von den letzten Sonntagen in der Bar, bevor diese endgültig schließt. Das ist alles andere als unterhaltsam, denn auf über 200 Seiten passiert: fast nichts. Es gibt keine tatsächliche Handlung. So muss sich der Leser durch langweilige Beschreibungen von Partyszenen und Mias belanglosen Ansichten über die „reale“ und die Feierwelt quälen. Dabei versinkt die Protagonistin entweder in Selbstmitleid oder in wichtigtuerischem Narzissmus.

Dass es sich bei Die Bar um eine fiktive Erzählung handelt, fällt schwer zu glauben. Die Ähnlichkeiten mit der Bar 25 sind eindeutig und auch die biografischen Gemeinsamkeiten zwischen der Autorin und ihrer Protagonistin lassen die Frage zu, warum überhaupt die Romanform gewählt wurde. Sprache und Inhalt haben nichts Literarisches: „Es ist wie mit dem Himmel: Er sieht immer anders aus, und die Wolken geben ihm dauernd eine andere Konsistenz.“ Derartige Fehlgriffe ist man vielleicht von einfältigen Bloggern gewohnt, doch hier füllen sie ganze Seiten. Dazwischen finden sich immer wieder Sätze, die wirken, als hätten sich ein Boulevardjournalist und ein unbeholfener Promotexter gegenseitig die Ideen geklaut: „Zwischen all den Menschen, die tanzen, als ob es kein Morgen gäbe, fliege auch ich jeden Sonntag durch die Bar.“ Das birgt eine gewisse Komik. Da diese aber unfreiwillig ist, bleibt nur noch Fremdschämen und Weggucken als letzter Ausweg.

Ju Innerhofer: Die Bar (Metrolit, Berlin 2013, 224 Seiten, 16,99 Euro)
  • Benjamin

    Oh, doch so Kacke :-)

  • Yannick

    hoppla…das Machwerk erscheint mir schon beinahe lesenswert. :)