Various, erst die zweite Compilaton von Ostgut Ton nach Fünf und siebzigste Veröffentlichung des Labels, verkörpert so etwas wie eine Einführung in die Berghain’sche Traumforschung. Naja, mal halblang. Nichtsdestoweniger suchen die acht Tracks nicht den tanzenden Knall auf dem Floor, sondern das intrinsische Aha. Barker & Baumecker machen den Anfang, ihre „Meiose“ atmet sowohl Steve Reichs „Drumming“ als auch Conrad Schnitzlers „Zug“ – eine Zellteilung zweier Klassiker, ohne die Referenzen eindeutig zu machen oder gar Abklatsch zu sein. Fiedels Beitrag will keine stampfende Ekstase, sein „Grunewald2“ (lediglich auf der Doppel-Vinyl zu hören) ist schwelgerisches Kleinod fernab des großen Booms. Während Tobias. auf „Dark & Troubling Things“ eine semi-dronige Ambient-Meditation mit Fieldrecording-Charakter erschafft, erarbeiten Efdemin und Marcel Fengler als DIN ein „You Are“-Mantra, das den Club als Schema zwar andeutet, wobei das Hintergrundrauschen keine Floor-Nostalgie kennen will. Virginias „Pulse“ kann als Ausreißer angesehen werden, derart reconditig flirten hier die 303 und 808 miteinander. Zum Abschluss bringt Crushed Soul nicht nur Detroit, sondern auch einen unterkühlten Funk ins Spiel, ehe Function mit seinem Incubation-Outtake „Golden Dawn“ dem sachten Treiben eine etwas verspieltere und rohe Note verleiht. Various ist Musik für Schlafwandler oder für alle, die es werden sollen. Oder auch der gedankenverlorene Anzug von Ostgut Ton. Sieht nicht nur verdammt gut aus, sitzt auch einwandfrei.

 


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