Fotos: Gerhard Heller (oben), Christian König (unten)

Vor fast 15 Jahren wurde Female:Pressure gegründet, ein internationales Netzwerk von Frauen, die im Bereich elektronischer Musik und Computerkunst arbeiten. Zum Netzwerk, das eine eigene Datenbank betreibt, gehören unter anderem DJs, Musikerinnen, Produzentinnen, Vokalistinnen, bildende Künstlerinnen, Bookerinnen und Labelbetreiberinnen. Erst zu Beginn diesen Jahres veröffentlichte Female:Pressure eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass nur zehn Prozent der Künstler und Künstlerinnen auf den Line-ups den wichtigsten elektronischen Festivals weiblich sind. Auf diese andauernde Unterrepräsentanz von Musikerinnen in der Clubkultur aufmerksam zu machen, ist eines der Anliegen des Perspectives Festival, das von dem Netzwerk am 12. und 13. September 2013 in Berlin ausgerichtet wird. Erwartet werden Diskussionen, Vorträge, Workshops, Konzerte und Partys. Wir haben mit Susanne Kirchmayr alias Electric Indigo, einer der Gründerinnen von Female:Pressure über das Festival gesprochen.

 

Susanne, im Winter 2001 warst du gemeinsam mit Cassy, Acid Maria und Eva Cazal für eine Titelgeschichte über Female:Pressure auf dem Groove-Cover zu sehen. Seitdem ist sehr viel Zeit vergangen. Was hat sich in den letzten zwölf Jahren in der Clubszene getan?

Electric IndigoAlso, ich habe ja 1998 damit begonnen, die Datenbank von Female:Pressure zu etablieren. Dieser Aufbau ist immer noch ein Prozess. Da ich unser Netzwerk administriere, sehe ich, wer neu dazu kommt und kann beobachten, was die so machen. Es ist auf jeden Fall mittlerweile nicht mehr exotisch in unseren Breiten, wenn eine Frau hinter den Turntables steht. Diesen Wandel konnte ich ganz gut beobachten und das hat sich definitiv geändert. Es gibt viel mehr Frauen und Mädchen, die auflegen als damals. Bei der Musikproduktion bewegt sich das ein wenig schleppend. Das könnte daran liegen, dass der typische Weg zum Produzieren von Clubmusik nicht am Auflegen vorbeigeht. Man übt sich im analytischen Gehör, wird neugierig, bekommt einen spezifischeren Geschmack und will wissen, wie bestimmte Sounds gemacht werden. Da macht man auch gerne als Mann erst einmal Halt. Das selbst Musik machen kommt erst als zweiter Schritt. In der internen Mailinglist gibt es dennoch immer mehr Postings über neue Releases von den Kolleginnen. Es ist also ein Fortschritt in Gang gekommen.

Worin liegt denn eigentlich das Problem? Woher kommt diese Männerdominanz unter DJs und Clubacts?

In den Medien wurde ein Bild geschaffen, das das „DJ sein“ zu einer männlichen Sache macht. Wenn man von einem DJ spricht, nimmt man erst mal an, es handle sich um einen Mann. Es heißt immer „der DJ“. Aber auch dieses Bild hat sich in den letzten 20 Jahren geändert. In den Medien kommen seit ein paar Jahren auch mal Mädchen als DJs vor. Es gibt ja tatsächlich mehr Jungs, die auflegen, aber ich glaube, dass sich das auf die Dauer ausgleichen wird. Je mehr Frauen da medial präsent sind, desto mehr weiblichen Nachwuchs wird es geben. Ich selber habe angefangen aufzulegen, ohne ein weibliches Vorbild zu haben, und es ist auch nicht zwingend notwendig. Es ist aber ohne Zweifel hilfreich!

Was hat denn überhaupt dazu geführt, dass man dieses Festival anvisiert hat? Gab es da einen besonderen Anlass?

Tatsächlich entstand die Idee, als wir im März unsere Studie über weibliche Künstler in der Clubkultur veröffentlichten und in der dazugehörigen Presseerklärung moniert haben, dass es auf Festivals zu wenig Diversität gibt. Female:Pressure ist keine politische Organisation, sondern ein ziemlich diffuser Schwarm von Künstlerinnen (fast 1.300 aus 58 Ländern rund um den Globus). Es ist eine sehr gemischte Gruppe, sowohl musikalisch als auch von den individuellen Ansichten und Einstellungen her. Das zeugt schon fast von einem Wunder, dass wir so ein Statement mit einer Stimme veröffentlichen können. Und das zeigt uns, dass es für Künstlerinnen ein brennendes Thema ist, weil das selbst unpolitische Leute irgendwie tangiert. Aber was uns eigentlich tausend Mal mehr interessiert ist Kunst, Musik und Visuals zu machen und das Auflegen. Darin wollen wir gut werden. Das Perspectives Festival ist die ideale Reaktion, die wir aus unseren eigenen Statements liefern können. Wir können sagen: „Schaut her! Wir wollen einen Dialog. Wir wollen für die Thematik das Bewusstsein erhöhen und wir wollen vor allem zeigen, was wir machen.“ Eine Serie daraus zu machen wäre super. Wir könnten andere dazu anregen auf diesen Zug aufzuspringen, damit viele Frauen Gehör und mediale Beachtung finden.

Gab es schon mal ein derartiges Festival?

Nein etwas in der Art gab es noch nicht. Es gab verschiedene Female:Pressure-Aktionen, wie zum Beispiel das Open Sounds-Kollaborationsprojekt. Aber es gab auch viele Partys in Wien, auch in Barcelona in den späten Neunzigern sogar in Detroit, in Chicago und in Los Angeles. So ein umfassendes Festival mit so vielen Künstlerinnen, den Talks und Workshops, das gab es noch nicht.

Was ist denn das Ziel, das ihr mit diesem Festival verfolgt? Was wollt ihr erreichen?

Wir wollen einen Diskurs, einen Austausch, womöglich herausfinden, weshalb wir in einer solchen Situation sind. Aber noch viel wichtiger ist es uns, herauszufinden, was wir tun können, damit sich die Lage ändert. Wir wollen auf das ganze Thema aufmerksam machen. Wir wollen den Zugang zu Resourcen erleichtern: Es wird Workshops geben, bei denen man einiges lernen kann. Un dann gibt es natürlich noch den Showcase, bei dem viele Artists vorgestellt werden und bei dem wir zeigen, was die musikalisch und künstlerisch draufhaben.

 

Wir verlosen 2×2 Karten für das Festival unter allen, die uns bis Montag, den 09. September, eine Mail mit dem Betreff Pressure schicken!


Perspectives Festival // 12. & 13. September 2013

Donnerstag, 12.09.

12-16 Uhr: Workshops
16-24 Uhr: Talking Perspectives & Networking
ab 24 Uhr: Impulse meets Female:Pressure

Line-up: Deneh, DJ Dependance, Janoshi, Kyoka, Spoke, Tinker u.a.

Freitag, 13.09.

12-16 Uhr: Workshops
16-24 Uhr: Talking Perspectives & Networking
ab 24 Uhr: Female:Pressure Showcase

Line-up: Ada live, Acid Maria, Chica Paula, Electric Indigo live, Gudrun Gut live, Sarah Farina, Silva Rymd u.v.a.

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Markgrafendamm 24c
10245 Berlin

  • tati

    hey, das klingt super, aber auch so ne seltene Blume,- ein event mit female artists… also cool, das könnte ja ein Beginn sein–!
    Ich bin auch schon eine Weile mehr oder weniger involviert mit elektronischer Musik, doch habe auf der einen Seite wenige Auftritte gehabt, und auf der anderen, na ja, mein equipment des öfteren ‚verloren‘,=von Typen entwendet, vor allem meine Platten/vinyls.
    Außer meinem thumbs up! ist dies auch eine Frage, ob mir jemand ein laptop günstig verkaufen könnte, versuche es einfach wo ich kann, um bis Do/Fr noch eines aufzutreiben.. somit oberkrasscool wenn das klappt & auch sonst:
    c u @ the festival;;; t

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