Erstmals erschienen in Groove 143 (Juli/August 2013)

Nach seiner Debüt-Single „Body Work“ auf John Dalys Label Feel Music wurde John Roberts 2008 auf der Stelle von der Hamburger Dial-Familie adoptiert und veröffentlichte seitdem ebendort eine Handvoll Singles sowie mit Glass Eights 2010 ein Album, welches das elektronische Erbe seiner beiden Teilzeitheimaten New York und Chicago in schwermütige Housetracks überführte. Nebenbei gründete er mit Paul Kominek alias Pawel/Turner sein eigenes Reisemagazin The Travel Almanac. Nun erscheint mit Fences Roberts‘ zweites Album, in dessen Produktion unter anderem Feldaufnahmen aus Cannes, Tokyo, Berlin, Versailles oder Kioto eingeflossen sind. Und sonst so, John Roberts?

 

Das Beste, was ich in letzter Zeit gemacht habe, war ein zweiwöchiger Ausflug nach Paris, der Heiratsantrag an meine Freundin und die Remixe, an denen ich zurzeit arbeite.

Einen Tag ohne Internet verbringe ich so oft wie möglich. Ich spiele lieber Tennis im Park oder laufe einfach herum, besuche Restaurants und Bücherläden.

Luxus ist für mich meine Arbeit, weil ich das machen kann, was ich liebe und davon lebe. Ich kann Musik machen, wann ich will, an meinem Magazin The Travel Almanac arbeiten oder jeder anderen Marotte und flüchtigem Interesse nachgehen.

Ein Buch, das mich zuletzt beeindruckt hat, war Begin Again, eine Biografie von John Cage sowie ein faszinierendes Interview-Buch mit Will Oldham namens Will Oldham on Bonnie „Prince“ Billy. Es war toll, sie beide gleichzeitig zu lesen während ich an meinem Album arbeitete, weil ich sie als eine Art Ratgeber für die Produktion meiner eigenen Musik verwenden konnte.

Meine liebste TV-Serie zur Zeit ist The Real Housewives, und eigentlich auch die einzige, die ich regelmäßig gucke. Es gibt verschiedene Versionen davon, alle spielen in unterschiedlichen Städten, und die Beverly-Hills-Ausgabe war ganz klar die beste.

Ein neuer Künstler, der mich begeistert, ist Queens alias Scott Mou auf Dial, sein End Times-Album ist einfach unglaublich und Scott dazu auch noch ein unglaublich netter Typ.

Meine aktuelle musikalische Wiederentdeckung ist das Grauzone-Album Die Sunrise Tapes. Es klingt so verwurzelt in der Zeit, in der es aufgenommen wurde und doch absolut zeitgemäßig.

Städte, von denen ich gerne einmal mehr als nur Flughafen, Hotel und Club sehen würde, sind zum Beispiel Peking, Hong Kong oder Seoul. Außerdem würde ich gerne eine Zeit lang in Indien verbringen, weil ich dort bisher noch überhaupt nicht war.

Ein unbekannter Club, den jeder mal besuchen sollte, ist die Precious Hall in Sapporo, Japan. Ich bin nun wirklich kein Experte für unbekannte Clubs, aber Pete (Lawrence) erzählte mir, dass das einer seiner liebsten Clubs sei – und ihm glaube ich das aufs Wort. Sie sollen Klipsch-Hörner-Lautsprecher und Wände aus Holz haben – eine tolle Kombination.

Einen total skurrilen Gig hatte ich in Wien, als ich am nächsten Nachmittag direkt nach Miami zur Winter Music Conference weiterflog. Aus dem kalt-nassen Wien in der dicken, von Sonnencreme durchsetzen Luft von Florida zu landen, verpasste mir eine Art Kulturschock, der aber auch ganz angenehm war.

Mein Rezept gegen Kater gibt es nicht. Ich bin selten lange wach und versuche immer wenig zu trinken, wenn ich irgendwo spiele, weil der Flug am Morgen danach sonst wirklich anstrengend werden kann.

In meinem Kühlschrank findet man immer die Zutaten für einfache japanische Gerichte. In New York gibt es ein paar wirklich großartige japanische Lebensmittelgeschäfte, dort hole ich immer Miso-Paste, Soya-Sauce, Tofu, Nattō, Gemüse und so weiter.

Ich bereue, dass ich mir lange Zeit den Kopf über die Zukunft zerbrach, anstatt einfach die Schönheit der Gegenwart zu genießen.

Meine größte Angst: Gibt es nicht, eher viele kleine. Flugzeugfliegen, Autofahren, Älterwerden, all das hat mich bereits – mal mehr, mal weniger – in meinem Leben geängstigt.

Mein größter Traum: Ich bin sehr zufrieden damit, wie für mich bisher alles gelaufen ist. Eigentlich wünsche ich mit bloß, dass es so weitergeht.

 

John Roberts‚ Album Fences ist bereits bei Dial erschienen.