Zeitgeber sind Speedy J und Lucy. Der Niederländer Speedy J war in den Neunzigern einer der einflussreichsten Technoproduzenten. Lucy ist Teil einer anderen, späteren Technogeneration. Der in Berlin lebende Italiener Luca Mortellaro hat mit seinen eigenen Produktionen ebenso viel Aufsehen erregt wie mit seinem Label Stroboscopic Artefacts. Beide Musiker verfolgen einen ähnlichen Ansatz: Die detroitigen Flächen werden von ihnen mit viel Raffinesse in noisige, abstrakte Soundscapes transformiert. Die Grooves stehen nicht über den flächigen Elementen, sie sind kunstvoll mit ihnen verwoben. Die beiden bohren den Berghain-Techno in Richtung Klangkunst auf. Bei ihrem gemeinsamen Projekt lassen sich keine individuellen Momente heraushören, die Klänge der beiden fließen widerstandslos ineinander. Ihr Vorgehen ist radikal: Sie stellen nicht Grooves und Flächen in einen durch Hall und Atmosphäre charakterisierten Klangraum. Vielmehr definiert jedes Pattern seine eigene Umgebung. Die Bassdrum wäre zu einfach lesbar, zu eindeutig. So steht im Zentrum jedes Stücks ein in seiner Vertracktheit unfassbares, unverdauliches Pattern. Techno verfestigt sich nie zur abrufbaren Formel. Trotzdem sind die Tracks nicht Produkt von solipsistisch und selbstgenügsam vor sich hin forschenden Klangkünstlern: Speedy J und Lucy saugen die Energie des Clubs auf und reißen die Schleusen, die die Techno-Revolution geöffnet hat, auf soweit es nur geht.

 


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