Erst war er über zwei opulente Sample-Hörspiele hinweg der Narcissist („Narziss“), jetzt ist er der Redeemer („Erlöser“). Für sein drittes Soloalbum schlüpft Dean Blunt in die Rolle des Schmerzensmannes, der (stellvertretend für uns alle?) durch eine Beziehungshölle stolpert und die dabei erlittenen Wunden mit großem Stolz vorzeigt. Blunt ist ein Großmeister des Pastiche, der sein Werk aus zahllosen musikalischen und literarischen Zitaten entstehen lässt. Wie es der Titel vermuten lässt, steckt The Redeemer voller religiöser Anspielungen: Die Stücke heißen etwa „Demon“, „Walls Of Jericho“ oder „Seven Seals Of Affirmation“. Blunt arbeitet sich dieses Mal zudem kräftig an geistlicher Musik ab, zitiert die Gospel-Sängerin Vanessa Bell Armstrong („You Bring Out The Best In Me“), lässt Harfen, Chöre sowie Kirchenglocken erklingen und singt uns an mehreren Stellen gekonnt den Blues. Vor dem Hintergrund dieser bewusst größenwahnsinnig inszenierten Ikonographie führt Blunt erneut ein Liebesdrama mit schwindelnden Höhen und abgrundtiefen Gräben auf. Während er auf dem Höhepunkt der Platte noch euphorisch „Let’s make it official“ singt, bleibt am Ende nur trotzige Trauer: „You will fall from grace without me, and I will find my place without you!“ Ein verdammtes Meisterwerk, yeah!

 


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