Kann jemand mal bitte Maya Jane Coles in den Arm nehmen? Ihre nachdenkliche EP „Easier To Hide“ wusste bereits den Beschützerinstinkt zu wecken, und mit ihrem lang erwarteten Debüt gibt sich die junge Britin ebenfalls verletzlich. Die einen finden es niedlich, die anderen schauen auf das Cover und kommen ins Grübeln ob der elegischen Bildsprache. Ein Schelm, der hier eine Inszenierung vermutet. Sicherlich, Tattoos als Grundlage für Pseudo-Psychogramme heranzuziehen, darf als kitschig diffamiert werden, aber die Eulen auf dem Oberkörper der Dame aus London sind exemplarisch: Wie die tagesscheuen Kreaturen ist die 25-Jährige eine Einzelgängerin – auf der Suche nach der Sprache, die nach Liebe, Reinheit und einem Zuhause krächzt. Dabei kommen keine Zischlaute zum Vorschein, eher mitteilsame Transparenz, die trotz der Zurschaustellung der seelischen Narben Introvertiertheit vermittelt.

Bei all dem Suchen und Sehnen ist ihr aber die Unabhängigkeit sicher. Was freigeistige Kollaborationen wie das Projekt She Is Danger oder ihr Dubstep-Alter-Ego Nocturnal Sunshine bereits eindrucksvoll unter Beweis stellten, führt Comfort nun fort: Maya Jane Coles veröffentlicht, produziert und mischt alles in Eigenregie, singt nicht nur selbst mit einer Engelsstimme zu ihren deepen Beats, sondern versteht es auch noch, die sieben Gastauftritte gekonnt in Szene zu setzen. Klar, das ist anderen vor ihr auch schon gelungen, besonders aber ist der manifest melancholische Vibe ihrer Produktionen, der niemals einen Ausreißer sucht und dabei genau das erreicht, was ein Album zu einem Album macht: die DNA.

Da wäre die skandinavische Kälte von Karin Park, die „Everything“ zu einem solch morbiden Singalong arrangiert, dass die Empathie keine Option darstellt, sondern zur Pflicht erwächst. Ob das einhauchende Wispern eines Tricky („Wait For You“), das sehnsüchtige Über-Lamento von Catherine Pockson („Fall From Grace“) oder die distanzierte Wärme von Andy Butlers Ex-Muse Kim Ann Foxman („Burning Bright“) – vollkommen organisch trifft House auf Pop, Downtempo-Balladen auf Afterhour-Nachdenklichkeit, The xx auf Crosstown Rebels. Und immer wieder diese bedingungslose Hingabe für die richtige Melodie, dieser bittersüße Twang der Gitarren, dieser Faible für unaufdringliche Chord-Progression. Comfort vereint zwölf Tracks, die Songs genannt werden dürfen. Zwölf Songs ohne einen einzigen Ausfall. Zwölf Highlights über die Koexistenz von Kummer und Trost. Liebe heißt auch Schmerz, oder wie heißt es doch in „When I’m In Love“ so schön: „Double the fun and it’s twice the pain.“ Wir leiden mit und sind entzückt.

 


Video: Maya Jane ColesEverything (featuring Karin Park)