Vom ersten Takt an fühlt man sich angeknipst wie ein Lichtschalter. Und diese Spannung reißt nicht ab. Robert Hoods Technosound mit den ultrareduzierten Beats und den flirrenden Synthis ist unverwechselbar. Und scheinbar unbegrenzt in den möglichen Variationen: Kein Detroit-Techno-Produzent der Generation der Innovatoren ist bis heute annähernd so produktiv wie Hood. Während fast alle seine Mitstreiter aus den Neunzigern kaum noch regelmäßig veröffentlichen, sind von ihm in den vergangenen vier Jahren gleich vier Alben erschienen.

Ein Meilenstein war Motor: Nighttime World 3 von 2012. Zum ersten Mal richtete ein Detroit-Artist einen retrospektiven Blick auf das Phänomen Detroit Techno. Hood erinnert sich an die Situation, in der er und seine Mitstreiter sich befanden, als sie den Detroit-Sound entwickelten. Früher thematisierten sie die Einsamkeit, Leere und Isolation in der Stadt nicht direkt, sondern benutzen sie als Formprinzipien ihrer Musik. Die Musik musste die Kontexte, die konkrete Lebenssituation ausschließen, um so geheimnisvoll, futuristisch und posthuman sein zu können. Auf Motor rückt Hood zum ersten Mal den Menschen ins Zentrum der Musik und stellt die Stimmung von Angst, Unsicherheit und Unbestimmtheit dar, die in der Stadt geherrscht hat (und zum Teil bis heute herrscht).

Auf dem neuen Album unter dem Floorplan-Alias kehrt Hood zu seiner abstrahierenden, verfremdenden Methode zurück. Das Floorplan-Pseudonym ist für aus Soul- und Funk-Samples gebaute Housetracks reserviert. Zwischen 1996 und 2002 erschienen sechs Maxis. Dann ließ Hood Floorplan für neun Jahre ruhen, um es 2011 wiederzubeleben. Letztes Jahr ist ihm mit „Baby Baby“ ein sensationeller Crossover-Hit gelungen. Die Stimme eines jungen Mannes stößt nur die beiden Worte „Ba-By, Ba-By“ aus. Und alles weitere in diesem Track – der schwebende Groove, die donnernde Bassline, der Chord – scheint nur deren Untermauerung zu sein.

Zwar hat nicht jeder der zehn Tracks diese Hitqualitäten. Keiner ist aber weniger packend. Hood schneidet aus den Funk- und Soul-Songs immer winzige Schnipsel heraus. Je kleiner das herausgelöste Funk-Molekül ist, desto eruptiver ist die Energie, die es als Sample entwickelt. Bei diesem Maschinenfunk geht es gleichzeitig darum, alles fließen zu lassen und jeden Fluss zu zerreißen. Jeder Track ist aus einem einzigen Impuls, einem einzigen Loop erschaffen und scheint doch Takt für Takt dichter und reicher zu werden. Paradise kennt keine Verzweigungen, Umwege, Abstecher. Es klingt wie aus einem einzigen Atemzug gemacht.

  • Äl

    Ja schade. Wir Gamer würden diesen Artikel wohl als OP bezeichnen. Leider habe ich mich dazu verleiten lassen, dem Autor Glauben zu schenken. Ich, als Liebhaber eher „reduzierter Klänge“, habe mir die Zeit genommen, und meine zuerst Auftretenden Aversionen zu widerlegen versucht. Ging nicht. Gesamturteil: Gut aufgebaut, aber stumpf.

  • idi admin

    @ Äl

    setzen 6 und nachsitzen mit einer doppelstunde musikgeschichte !

    stumpf ist trumpf :)