Jeder ist ein Alien, fast überall. Diese universelle Erfahrung von Fremdheit, durch Globalisierungseffekte potenziert, ist in Kürze die Botschaft von Mars. Statt Expeditionen in den Weltraum zu unternehmen, bleibt Ahmed Abdullahi Gallab, der in Somalia geborene und den USA aufgewachsene Initiator von Sinkane, lieber down to earth und bekennt freimütig, was diese acht Stücke in erster Linie sind: ein New-York-Album. Als Tourband-Mitglied von Caribou, Of Montreal und Yeasayer verfügt der Multiinstrumentalist bereits über einige Erfahrung sowie Kontakte, die auf Mars aber nicht als Indie-Gaststars in Szene gesetzt, sondern dezent und stimmig platziert sind. Vom rollenden Groove der Single „Runnin’“ eröffnet, verfällt das Album mit Nummern wie dem Talkbox-gesättigten „Making Time“ rasch in eine ruhigere Gangart. Fast immer steht Gallabs sanftmütige, gelassene Stimme im Zentrum. Auf dem Fundament von Afrobeat wachsen Songgebilde, die strukturell schon wieder Tracks sind. Im Titelstück ist fast Free Jazz im Sinne von Sun Ra zu hören. Vieles wirkt gespielt, oder sogar gejammt, Elektronik bleibt Mittel zum Zweck. Maschinenpark-Fetischismus? Fehlanzeige! Sinkane gibt seinem Afrofuturismus vielmehr eine organische Präsenz und schwebende Leichtigkeit. Gallab dazu: „Rückblickend würde ich sagen, ich hab Limonade gemacht.“ Ein postkoloniales Freestylealbum, von Fragen wie Genrezugehörigkeit völlig unberührt. Flöten sollte man allerdings schon mögen. Kurios: Gängige Hörerfahrungen finden sich hier auf den Kopf gestellt – die Zeit dehnt sich aus, und man wundert sich, dass am Ende nur eine gute halbe Stunde vergangen sein soll.

 


Video: SinkaneRunnin‘ (kostenloser MP3-Download)