Text: Numinos
Erstmals erschienen in Groove 139 (November/Dezember 2012)

CD- und Multimediaplayer, Soundkarte und MIDI-Controller – die Featureliste von DJ-Laufwerken muss dieser Tage schon ordentlich eng beschrieben sein, will man als Hersteller im Marktsegement der Auflegewerkzeuge seine Geräte erfolgreich an den Musikdienstleister bringen. Der neue Denon DN-SC2900 kann all das und noch ein bisschen mehr, wie wir bei unserer Testfahrt mit dem versatilen Deck erfahren konnten.

 

Konzept

 

Der SC2900 definiert sich als Digital-Turntable mit einem großflächigen 9-Inch-Jogwheel, das zur Steuerung von CDs, via USB-Medium zugeführten Multimediadateien (AAC, AIFF, MP3, WAV) und DVS-Systemen dient. Denon DN-SC2900Sein Drehwiderstand ist in fünf Stufen adjustierbar. Im Kreisrund um die Kunststoffplatte, die von Denon mit dem klangvollen Namen „Eclipse Platter“ versehen wurde, schmiegen sich 48 blau beleuchtete LED-Segmente, die durch Farbwechsel in Rot sowohl die aktuelle Abspielposition wie auch Cue-Punkte visualisieren. Von selbigen kann sich der SC2900 vier merken (acht im MIDI-Modus via Layer) und bei Bedarf abrufen. Weitere Informationen liefert das mehrzeilige, leicht angewinkelte und gut ablesbare Dot-Matrix-Display, welches neben den üblichen Parametern wie unter anderem Abspielposition, Tracklänge und Restzeit, den aktuell ermittelten BPM-Wert, den Pitchfaktor, Tracknamen und Datei-Hierarchien auch eine kleine Wellenformdarstellung der Audiodatei samt Cue-Punkten liefert.

Blickt man auf die Rückseite des 4,35-Kilo Players, wird klar, dass er sich für deutlich mehr Aufgaben empfiehlt als das simple Abspielen von CDs. Denn hier warten neben dem obligatorischen Stereo-RCA-Ausgang auch eine USB-Buchse, ein RJ-45-Ethernet-Port und ein S/PDIF-Anschluss auf ihren Einsatz. Nutzt man die USB-Konnektivität, präsentiert sich der SC2900 gegenüber dem gastgebenden Rechner als vollwertiger Asio/Core Audio-AD-Wandler (max. 96kHz/24 Bit). Als Wandler kommt hier ein bewährter BurrBrown-Chip zum Einsatz, was die Klangqualität hörbar in Top-Regionen befördert. Die Möglichkeiten, die sich im Rechnerverbund ergeben, sind damit aber bei Weitem noch nicht erschöpft, denn das Laufwerk sendet und empfängt sämtliche Bedienfunktionen auch als MIDI-Steuerdaten – im Verbund mit Native Instruments‘ Traktor und dank entsprechender Zertifizierung sogar ohne die Notwendigkeit, ein entsprechendes Template zu installieren. Via RJ-45-Schnittstelle können dann bis zu vier Denon-Laufwerke die Audiodateien eines einzigen Mediums brüderlich teilen, sich BPM-syncen und Playlisten über die „Engine“-Software (Win/OSX/iOS) verwalten.

 

Praxis

 

Mit seinem stattlichen Abmessungen von 32,6 (Breite) mal 36,6 (Tiefe) und 12,4 Zentimetern in der Höhe und einer dicht besiedelten Arbeitsfläche macht der Player einen mächtigen, gleichzeitig aber nicht überladenen Eindruck, sodass sämtliche Basishandgriffe des DJ-Handwerks wie Transport, Navigation, Pitchen, Loops und Cue-Punkte setzen und abfeuern auch ohne einen Blick in die Bedienungsanleitung erfolgen können. Der Eclipse-Leuchtkreis mag einen zwar auf den ersten Blick an einen Roulettetisch für interstellare Vergnügungsdampfer erinnern, erweist sich aber in der Praxis als außerordentlich gute visuelle Kontrollinstanz. Auch das taktile Feedback der Bedienelemente und des Jogwheels sind hervorragend gelungen: Besonders die Taster lassen mit ihrem eindeutigen Klickpunkt keine Zweifel aufkommen, ob man sie gedrückt hat oder nicht. Das Jogwheel (mit einstellbarem Anlauf-/Abbremseffekt) gewährleistet eine scratchtaugliche Kontrolle über das Audiomaterial, was besonders durch die Slip-Funktion, die dafür sorgt, dass die Audiodatei trotz wilder Loop- und Scratchorgien im Hintergrund weiterläuft, noch geheckspoilert wird. Wer
allerdings eher zu den Traditionalisten gehört und das sanfte Zerren des Direktantriebs unter den Fingern spüren möchte, ist im Zweifel mit dem SC3900 von Denon besser beraten, denn hier dreht sich ein echtes Stück 7-Inch-Vinyl auf einem echten Teller – Geschmackssache eben. Aber kommen wir zurück zu unserem Testgerät und damit zum …

 

Fazit

 

Egal ob im Stand-Alone-Betrieb als CD/USB-Mediaplayer, an den Rechner angeschlossen und mit Steuergewalt über ein DVS oder im Verbund mit anderen SC-Geräten überwacht von der Engine-Software – die Arbeit mit dem SC2900 gestaltet sich übersichtlich und präzise. Gerade für DJs, die in Bezug auf die verwendeten Medien und Auflege-Szenarien flexibel sein wollen. Aber auch für die Festinstallation ist der Denon eine konkurrenzfähige und preisgünstige Alternative zum omnipräsenten CDJ-900 von Pioneer.

 

UVP: 999 Euro, Straßenpreis: 949 Euro

 


Video: Denon DN-SC2900Feature Overview