Im Groove-Jahresrückblick 2011 beschäftigte sich unser Autor Arno Raffeiner mit der Auferstehung von Goth in der Musikszene. Allerdings stellte er bei den düsteren Zöglingen wie Zola Jesus oder Austra eine Abwendung vom Tod und dagegen eine Hinwendung zum sanften Schlaf fest. Die Musik der Sängerin Karin Park entwickelte sich seit ihrem ersten Album vor neun Jahren von einer naiv-poppigen in eine düsterere Richtung und nahm Einflüsse aus Industrial, Wave oder eben Goth auf. Highwire Poetry ist das vierte Album der gebürtigen Schwedin mit dem leicht an Björk erinnernden Timbre. Den Hintergrund für ihren Gesang bilden düstere, elektronische Entwürfe, die mal nach EBM, Synthpop oder auch gerne nach Dubstep klingen. Diese Ausflüge in verschiedene Gefilde elektronischer Musik wirken weder billig noch übertrieben kopiert, was daran liegen mag, dass Christoffer Berg, der auch schon Fever Ray produzierte, seine Finger im Spiel hatte. Souverän begleitet Park die Stücke gleich einer Femme fatale mit ihren düsteren Texten, was zusammen mit den unheimlich anmutenden Synthesizern eine Beklemmung auslöst, die hin und wieder wie bei „Thousand Loaded Guns“ – jedenfalls in tonaler Hinsicht – in Erleichterung umschlägt. Highwire Poetry ist ein abwechslungsreiches Album, das zeigt, dass auch Mitte 2012 mit Goth gerechnet werden muss.

 


Video: Karin ParkRestless