Untendrunter ein verlässlich rollendes rhythmisches Fundament, obendrüber mehr oder minder frei flottierende Ereignisse: In dem Klangraum, der sich zwischen diesen Elementen auftut, haben sich schon frühe Formen von Jazz-Ekstasen entfacht, und darin ist auch Klaus Schulze damals zu seinen Exkursionen entschwebt. Das wiederum sind Referenzen, mit denen sich Ricardo Villalobos vermutlich nicht unwohl fühlen würde. Auf seinem neuen Album zumindest entfesselt er nach dieser uralten Zauberformel einen Sog, der nicht unbedingt mit Drogen zu tun hat (auch wenn ein Stück ernsthaft „Kehaus“ heißt). Wohl aber mit Trips. Denn vor allem davon erzählt Dependent And Happy, sein drittes Album bei Perlon: von Reisen in neue Terrains, innen wie außen.

Es hatte ja schon Genörgel gegeben: Villalobos habe sich in den endlosen Weiten seines Modular-Synthesizers verloren, hieß es zu seinen vorherigen Veröffentlichungen, zielführende Entwicklungen seien nicht mehr auszumachen. Berechtigte Kritik, womöglich – beim kurzen Format. Doch der große Raum eines Albums gibt seiner Ästhetik aus stoischen Beats und zusammengejammten Spinnereien ausreichend Luft zum Atmen. Und tatsächlich ist Dependent And Happy ein Bündel von Unwahrscheinlichkeiten. Da gibt es zwar auch offensichtliche Andockstationen wie „I’m Counting“ mit seinen flirrenden Tablas. Und magische Momente wie „Die schwarze Massai“, das klingt wie ein Bitches Brew im House-Keller, oder „Zuipox“, in dem Dschungelgeräusche die Hookline liefern. Aber auch einige Stücke, die erst mal nur selbstvergessen dahinfließen oder verschlafen hymnisch wirken (im richtigen Moment jedoch Epiphanien auslösen dürften). Und sogar echte Irritationen, etwa von „Das Leben ist so anders ohne Dich“, in dem eine sonore New-Wave-Stimme eben das zu Rauschen und Glöckchenkaskaden deklamiert.

Selbstverständlich ist Dependent And Happy also kein einfaches House- oder Technoalbum, so etwas sollte man von Villalobos nach all den Jahren nun auch nicht mehr erwarten. Es gehorcht ganz anderen Dramaturgien. Es fußt zwar auf 4/4-Bassdrums, diesem simplen „Fundament, auf dem sich die schönsten Bauwerke errichten lassen“, wie es in diesem Magazin einmal hieß. Aber es trägt auch Jazz in sich, mit seinen Interaktionen und komplexen Rhythmusverschiebungen. Und Krautelektronik, mit seinen Klangmodulationen und lang gedachten Perspektiven. Es ist, kurz gesagt, das soghafte, rauschhafte Ergebnis einer Suche danach, was also noch so möglich ist.