Four Tet war immer ein Vermittler zwischen der rein elektronischen und der rein auf Instrumenten basierenden Musik, und die Anhänger beider Seiten konnten sich stets auf ihn einigen. Mit seinem sechsten Album There Is Love In You ist er jedoch für einige zu weit abgerückt vom Mittelweg, weil die Kompatibilität mit der Tanzfläche überhandnahm. Mit Pink geht Kieran Hebden nun ein großes Stück weiter ins elektronische Lager und präsentiert mit seinem siebten Langspieler eine Sammlung seiner in den vergangenen zwei Jahren bei Text Records erschienen Singles plus die zwei unveröffentlichten Tracks „Lion“ und „Peace For Earth“. Das bereits bekannte „Locked“ ist ein großartiger Einstieg in Pink, mit seinen Lo-Fi-Drums und den sich nach und nach aufbauenden Zupf- und Streichinstrumenten erinnert er insgesamt noch am ehesten an Four Tets musikalische Vergangenheit. Es ist ein kurzer Blick nach hinten, denn der zweite Titel, „Lion“, ist repräsentativ für Hebdens neue Geradlinigkeit. Langsam und sehr DJ-freundlich baut sich der Track auf, doch lässt er immer noch komplex verwobene Klangtexturen erahnen. „Peace For Earth“ ist das zweite neue Stück und die wirkliche Überraschung: Beat- und schwerelos ist dieser, an Boards Of Canada erinnernde Track eine mehr als gebührende Hymne für den Weltfrieden. „Pyramid“, „Pinnacles“, „128 Harps“, „Jupiters“ und „Ocoras“ sind allesamt schon bekannt und somit ist Pink leider mehr eine Gelegenheit für verpasste Singles als ein vollwertiges Album. Fazit: Four Tet ist vom Vermittler endgültig zum Zwiespalter geworden, außergewöhnlich klingende Musik macht er aber immer noch. Und das ist doch gut so.

 


Stream: Four TetLion