Beim ersten Durchsteppen wirkt Ruin Tapes ziemlich sympathisch, es geht offensichtlich um gemäßigten Dubstep mit Anlehnungstendenz bei spacigen Techno. Also eher ohne Wobblefaktor, dafür mit schönen Flächen und viel Hall. Beim Komplettdurchhören irritiert dann aber bald die Kürze der Tracks, die das Album wie eine Skizzensammlung oder eine nicht wirklich glücklich editierte Promoversion wirken lassen (kein Stück überschreitet die Vier-Minuten-Marke). Soundtracks hinterlassen auch gerne mal dieses Gefühl, zwar gute Musik in den Händen zu haben, die aber nicht richtig zuende gedacht worden ist – zumindest nicht für das Format “Album”. Und wenn sich erst einmal das Nörgelzentrum warm gelaufen hat, stört der Trancefaktor dann auch nach einer Weile, vor allem die (Frauen-) Stimmen, die zum Einsatz kommen, erinnern teilweise ungut an Charts-Techno, und die Synthies sind dann auch nicht mehr alle so geschmackssicher wie anfangs empfunden. Alles irgendwie schade, denn der Grundgedanke Nocows ist ganz und gar nicht falsch (hörbar etwa in “Thorny Path” oder im Opener “Allow”), nur ist da scheinbar etwas auf der Strecke geblieben beim Umsetzen auf Albumlänge.

 

Stream: NocowRuins Tape (Preview)

  • riotsk

    Hmmm, sehe ich komplett anders. Ich finde, dass „ruins tape“ ein sehr homogen abgedunkeltes Album ist, dass einfach den Schwerpunkt auf Atmosphäre statt auf stilistische Höhepunkte setzt. Ein Burial-Album (der sollte hier erwähnt werden, denn sein Werk sollte maßgeblicher Einfluß von Nocow sein) setzt ja auch nicht auf ein Reigen an Hits sondern bildet den stimmungsvollen Soundtrack zu einer nächtlichen U-Bahnfahrt von einem Ende Londons zum anderen. Das bietet Nocow auch ….nur dass es hier per Strassenbahn durch´s nächtliche St.Petersburg geht.